Schlagwort: Sushi

  • Rohhäppchen

    Rohhäppchen

    Sandra hatte es nicht leicht. Allein schon weil sie nicht Sandra hieß. Denn Sandra war eigentlich Annabelle Valeria Shaniqua von Hohenzollern. Aber so glanzvoll ihr Name auch war, so eine Bürde war er auch. Vor allem auf Tinder. Anfangs waren die Boys ja noch angetan vom Glamour, von Ländereien und Jagdrevieren. Aber sobald sie ihnen erklären musste, dass ein “Family Office” kein Gästezimmer mit Schreibtisch ist und eine Centurion aus Amerika und nicht aus dem alten Rom kommt, ja spätestens dann war auch der letzte Jurastudent eingeschüchtert. Dabei wollte sie einfach nur einen ganz normalen Typen kennenlernen, einen der sie so mag wie sie ist. Und vor allem einen mit dem sie nicht näher verwandt ist. Die Operation ihrer Habsburger Lippe war schon aufwendig genug, das wollte sie ihren Kindern nicht auch noch antun. Also Sandra. Ihre neue Identität: Urlaub in Cesenatico statt Yacht vor Marbella. Studium in Bremerhaven statt Ludwigshafen. Sie kannte ihre neues Ich auswendig. Besonders jetzt, wo der süße Thorbjörn zum dritten Date kam. Er war zwar schon verwundert, warum sie Sushi bestellt hatte, aber glücklicherweise erfand sie noch schnell die Notlüge mit dem Geburtstagsgutschein. Alles lief gut. Sie schauten 3sat und unterhielten sich sogar über Themen wie Miete, Dispo und Monatsende, Dinge die sie sich in den letzten Tagen erst mit Wikipedia anlesen musste. Doch dann nahm sie ein Stück der California Roll mit Thunfischtatar, Miso-Majo und einem enorm großen Stück Trüffel in den Mund. Sie schloss die Augen, kaute genüsslich und dann entfuhr es laut nicht der Sandra, sondern der Annabelle Valeria ihn ihr: “Oh mein Gott, das schmeckt ja wie damals bei Oma!”

    Thorbjörn schaute leicht verstört, ließ sich aber erstmal nichts weiter anmerken. Doch so langsam verstand er warum ihre Hermes Pakete orange und nicht blau sind. Nach ein bisschen Heavy Petting verabschiedete er sich und begann den unausweichlichen Whatsapp-Ghosting-Prozess.

    Another one bites the dust. Sandra oder Annabelle Valeria nahm ihr iPhone Vertue Edition und machte weiter wie immer. Swipe right, swipe right …

    Ideal für: Sandra, Valeria, Thorbjörn und alle die gerne gutes California-Style Sushi mögen

  • Kuchi Mitte

    Kuchi Mitte

    Kino – „Ja da war doch mal was“ denkt man sich als man die großen roten Lettern über dem Hinterhof des Kuchi schweben sieht. Auch so ein Vor-Corona Vergnügen. Naja, Vergnügen… Fast and the Furious Teil dreihundertzweiundsiebzig mit der CGI Repräsentation von dem Hund von dem einen, der sich mal um den Baum gewickelt hat und Vin Diesels linken Bizeps in der Hauptrolle, dazu bitte zwei Hektoliter Cola-Light und Nachos mit diesem gelben Tapetenkleister. Oder halt gute Filme in irgendeinem Programmkino, in dem die Qualität der Vorführtechnik ungefähr auf dem Level von einem ins Wasser gefallenen Iphone 3S ist. Wenns das dann jetzt vielleicht mit Kino war, bleibt uns eben vielleicht nur noch essen gehen. Ist ja am Ende irgendwie auch das gleiche. Auf dem Teller gibt es Hauptdarsteller, Nebendarsteller. Dramaturgie ist wichtig, weiß jeder bei dem die Vorspeise schon mal nach dem Hauptgang kam. Der Regisseur ist meistens nicht zu sehen. Und den Schnitt sollte man eh nicht versauen. Das Kuchi Mitte: wäre in dem Fall ein asiatischer Thriller, für den westlichen Markt passend adaptiert. Die großen Stars Fernosts, Udon, Sushi, Dim Sum, Yakitori, Wok kommen nochmal zusammen um die Welt zu retten. Oder zumindest Berlin Mitte. Überzeugende Performance, hier und da fließt sogar mal ne Träne (Wasabi sei dank). Und seid beruhigt, wenn ihr aus dem Dunkel des Kuchi heraustretet könnt ihr immer noch die total bescheuert Kinofrage stellen: “Und, wie fandest dus so?”

    Ideal für: Weeknight Dinner, Kino hat zu