Schlagwort: Schanze

  • Kkokki loves vegan

    Kkokki loves vegan

    Kkokki loves vegan. Na das ist ja schön für Kkokki aber was ist mit mir? Und allen anderen? Man hat ja wohl kaum so einen riesigen Laden gebaut, damit Kkokki glücklich ist. “Ja hallo liebe Sparkasse, ich brauche einen Kredit für ein koreanisches Restaurant, Zielgruppe ist eine Person, vielleicht noch ein bisschen Laufkundschaft, zahle dann auch in 200 Jahren zurück.”  Oder braucht man heutzutage eine erklärende Unterzeile? Kkokki loves vegan, XO mag Fisch, Vienna schön eng, Nikkei Nine vielleicht triffst du Sylvie Meis. “Loves vegan“, das ist ja eigentlich, wenn man nachdenkt, grundsätzlich schon mal quatsch, genauso wie “ich esse gerne asiatisch”. Wer sagt denn, dass was gut ist, nur weil es vegan ist? (Oder asiatisch?) Ich hab mal bei einem Konzert Backstage eine fürchterlich geschmacklose Pasta gegessen, liebt Kkokki die jetzt auch, weil sie vegan war? Ich zweifle daran. Also Kkokki, wer bist du? Was magst du? Warum die vielen Ks? Ist die Liebe zum Veganismus eine dieser Hollywoodlieben, geprägt von Glücksmomenten wie von Erschütterungen oder ist sie eher zu vergleichen mit der relativ unimpulsiven Liebe zu einem Haustier? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eins, oder vermute es zumindest: Kkokki loves Korean Fried Chicken. Aber Kkokki loves eben auch Chicken, und zwar so sehr dass sie möchte dass diese noch weiter leben. Das vegane Korean Fried Chicken hier schafft diesen vermeintlichen Spagat tatsächlich ziemlich gut, aus Tofu noch ein wenig mehr als aus Blumenkohl. Die Hühnchenkonsistenz überzeugt allerdings noch etwas mehr als der Hühnchengeschmack. Trotzdem eine ziemlich gute Alternative zu “echtem” Fried Chicken, vor allem wenn man bedenkt dass vermutlich 99,9% aller Fried Chicken aus Fleisch aus der Haltungsform “Vorhölle” besteht. Von daher: Guide Pelzenstein likes Kkokki. Auch wenn sie sich ein bisschen mehr Zeit beim servieren lassen könnten. Aber wer weiß, vielleicht war ja Kkokki schon unterwegs und hat den Platz gebraucht.

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    Ideal für: Fried Chicken Bisse ohne Gewissensbisse

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  • Batu Noodle Society

    Batu Noodle Society

    Erdbeeren sind ja keine Beeren, sondern zählen botanisch zu den Nüssen. Nüsse sind oft keine Nüsse, sondern auch gerne irgendwas anderes. Erdnüsse zum Beispiel sind eigentlich Hülsenfrüchte. Bohnen sind Hülsenfrüchte, aber weder die Kaffe- noch die Kakaobohne sind wiederum Bohnen, dafür aber Früchte. Bananen und Tomaten sind Früchte, aber auch Beeren. Der Biber wurde im Mittelalter mal zwischenzeitlich zum Fisch erklärt, das lag aber eher an hungrigen Mönchen in der Fastenzeit als an übergenauen Naturforschern. (Verglichen mit anderen Dingen, die die katholische Kirche im Mittelalter so umerklärt hat auch mit durchaus harmlosen Konsequenzen). Ach ja, Pfeffer ist übrigens eine Frucht, der Szechuanpfeffer ist zwar auch eine Frucht aber kein Pfeffer. Der Mensch macht sichs halt einfach, aber nicht alles was scharf ist ist Pfeffer, Messer oder Wirtschaftssanktionen mal als Beispiel genannt. Dafür dass Szechuanpfeffer kein Pfeffer ist, ist er wenigstens ein Trend. Kein Wunder, in eine Zeit, in der man besagte Zeit gerne auch einfach mal übersprungen hätte und nicht selten so manches Säugetier um seinen Winterschlaf beneidet hat, passt ja auch ein betäubendes Gewürz wie Faust auf Zunge.

    Dass es in den Gerichten im batu sehr viel davon gibt, ist somit erstmal very contemporary und auch sehr lecker. Gut wäre nur wenn man der vielen betäubenden Schärfe noch etwas mehr Nudeln beigeben würde. Und Apropos taub: die location, der ehemalige 13. Stock, der vorher schon das Kapara beheimatet hat, ist für mich immer noch eigentlich ein Club und kein Restaurant. Trotz des guten Ausblicks immer etwas zu laut. Aber vielleicht hatte ich auch nur Szechuan in den Ohren.

    Ideal für: sich taube futtern

  • Trattoria da Leandro 

    Trattoria da Leandro 

    Ich muss hier mal die AfD loben. Aber nur für eine kleine Sache. Den grundsätzlich ist das natürlich ein Drecksverein mit verachtenswerten Menschen. Aber der neue Claim, “Deutschland. Aber normal.”, der ist rein kommunikativ schon gut. Weil er ziemlich gut die mehr als fragwürdigen Wünsche der Kernwählerschaft relativiert. “Ich will ja nur ein normales Deutschland zurück.” klingt halt viel besser als “Ich will ein Deutschland zurück, in dem ich aufgrund meines Geschlechts oder meiner Herkunft Vorteile genossen habe.” Weil normal geht immer, gerade in Almania. Haben wir früher noch Glam-Rocker bewundert, die in goldenen Privatjets geflogen sind und teure Fernseher aus noch teureren Hotelzimmern geworfen haben, einfach nur so, fürs Gefühl, müssen jetzt Stars immer ganz normal sein. Wir wollen auf Instagram lieber Sarah Lombardi in ihrer Reihenhaushälftenhölle Apfelkuchen backen sehen als Nikki Sixx auf einem Jet-Ski beim Crack-Schnupfen zuzuschauen. “Stars – they’re just like us.” –  ja leider! Aber klar: Exzesse brauchen auch Normalität, sonst würde man sie ja gar nicht mehr erkennen. Wenn es jeden Tag Kaviar gibt, sind das irgendwann auch einfach nur Fischeier. 

    Also Trattoria da Leandro. Ein ganz normales Restaurant? Ja und nein. Hier gibt es zum Beispiel sehr, sehr gute selbstgemachte gefüllte Pasta. Am besten sind die allerdings, wenn sie nicht von einer sehr scharfen Sauce komplett überspielt werden. Aber vor allem ist Trattoria da Leandro ein solider Italiener, in dem man sich zwei Peroni und ein Hauptgericht reinpfeift und mit 25 Euro raus geht. Und ab und zu brauch ich so was. Im Gegensatz zu rechten Parteien im Bundestag.

    Ideal für: nach dem Baden noch zum Italiener

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  • Bistrot Vienna & Restart Gastro

    Bistrot Vienna & Restart Gastro

    Also erstmal n dickes Sorry. Sorry für das akwarde Aufhängen der Jacke, weil man ja wusste dass man selber nicht drinnen sein darf aber sich nicht so sicher war, ob das auch für die Oberbekleidung gilt. Sorry dass wir viel zu lange gebraucht haben um uns zu entscheiden. Aus verschiedenen Essensoptionen die perfekte Kombination aus Vorspeise und Hauptspeise herauszusuchen UND auch noch den passenden Wein ist nach so vielen Monaten ein Task den man gerne zur Bearbeitung der NASA geben würde. Sorry dass wir viel zu laut waren, das geht vor allem an den Tisch neben uns. Wir sind fremde Menschen nicht mehr wirklich gewohnt, die meisten neuen Leute, die wir in letzter Zeit kennengelernt haben, musste irgendwer aus dem Freundeskreise erst mal gebären (Danke aber dass ihr mit uns zusammen genau so laut und gut drauf wart). Sorry dass uns die Nachbarn egal waren, und wir noch einen und noch einen und noch einen bestellt haben. Sorry dass wir Hygieneunkonform von unseren gegenseitigen Tellern gegessen haben, weil alles geil war und das Vienna vom ersten Tag an exakt auf dem Niveau und auf der Wohnzimmerhaftigkeit war, für die es die Stammgäste so lieben. Sorry auch dass ich euch noch vor irgendeiner offiziellen Meldung des Senats, als die Öffnung quasi nur ein Gerücht im Äther der Mopo-Kommentarspalten war, penetrant getelefonterrorisiert habe, weil ich unbedingt einen Tisch am ersten Abend haben wollte. Sorry für das alles. 

    Aber eins muss ich dann doch sagen, stellvertretend für alle Gäste und Gastronomen dieser Stadt: 

    Schön, dass ich wieder da bin!

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    Ideal für: kleine Runden mit Freunden

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  • Slim Jims

    Slim Jims

    Es ist mir ja eigentlich egal. Aber eigentlich heißt es Guide. Französisch ausgesprochen. Wie “Gied”. [ɡid]. Nicht Guide. [ɡaɪ̯d]. Wie der Survival Guide. Oder der Tourist Guide. Wenn ich irgendwo mit nem Regenschirm rumstehe dann nicht um irgendwelchen Erikas aus Kassel den Kiez zu zeigen, sondern weil ich mal wieder bei Sauwetter an nem Stromkasten was futtere. Guide Pelzenstein. Wie der Guide Michelin. Im Gegensatz zu denen mach ich zwar keine Reifen, höchstens unreife Witze – aber n bisschen ist der Restaurantführer mit dem dicken Männchen eben schon Inspiration für diesen Instagram-Restaurantführer mit dem anderen dicken Männchen (Lockdown hit me hard). Auch weil die Bewertung schlau ist: 1 Stern ist einen Stop wert, 2 Sterne ist einen Umweg wert, 3 Sterne ist eine Reise wert. 

    Das Slim Jim gibts zwar noch nicht so lange wie den Guide Michelin aber immerhin schon seit 2009 und das war ne Zeit in dem sich noch nicht so richtig viele Läden Gedanken über Pizza gemacht haben und in der es noch keine Hefejunkies gab, die 72 Stunden cold fermenten und Hydrations-Ratios im Schlaf runterbeten können. Als große Innovation galt vielleicht Käse im Rand und “neapolitanisch” hielten die meisten für eine Verfahrensweise, wie man unliebsame Konkurrenten verschwinden lassen konnte. Und da fing Slim Jim mit den namensgebenden, sehr dünnen Pizzen an. Denn dünne Pizzen waren damals noch ein Qualitätsmerkmal. Und jetzt, nachdem man nach einiger Zeit mal da wieder da war? Bei ner dünnen Pizza kann man jetzt natürlich nicht wie so ein Mehlsommelier dastehen und über die Nuancen des Teigs fachsimpeln. Und die Tomate war vielleicht nicht ganz so geschmacksintensiv. Aber meine Lieblingscombo von vor 10 Jahren, Salsiccia und Zwiebeln, ist dann doch immer noch ziemlich gut. Und auch wenn ich jetzt nicht 3-Sternemäßig durch die ganze Stadt reisen würde, um ne Slim Jim Pizza zu essen, so kann man 1- oder 2-Sternemäßig gerade in der gastromäßig gar nicht so reich beschenkten Schanze durchaus nen Stop oder nen Umweg einlegen. 

    Ideal für: einen Stop oder einen Umweg

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  • Tōrnqvist

    Tōrnqvist

    Dieser Beitrag ist eigentlich komplett sinnlos, denn das tōrnqvist gibt es seit heute nicht mehr. Und obwohl die Schlange am letzten Tag so lang war, dass selbst die Polizei mal vorbeischauen musste, wird die Schließung vermutlich nicht alle stören. Denn ein bisschen als Hipsterladen war es natürlich schon verschrien: Nur 3 Arten der Zubereitung, kein Zucker, das minimalistisch-kubistische Interior, das nur zu gerne als Hintergrund von irgendwelchen Influencerinnnen genutzt wurde – es hätte durchaus alles auch aus einem Conan O’Brien Sketch über Gentrifizierung stammen können. Persönlich gings mir mit dem Tōrnqvist ähnlich wie mit dem Ændrè – ich fand den Dogmatismus um das Thema Kaffee irgendwie unfreiwillig komisch. Aber der Zweck heiligt auch hier die Mittel. Flat White fand ich zwar immer nur so mittel, ich finde der Kaffee hier eignet sich nicht für Milch. Aber Handbrew, Shot, alles was quasi Kaffee pur war, war immer auf einem anderen Level. Weil man hier eben nichts verstecken konnte und sich die nerdige Detailversessenheit dieses Ladens ausgezahlt hat. Und ob man Fan war oder nicht: es ist immer scheiße, wenn ein Laden schließt, der sich mehr Mühe und mehr Gedanken über das, was er den Leuten verkauft, gemacht hat.

    Hoffentlich hat Trude Herr recht: Niemals geht man so ganz.

  • Café Mexico

    Café Mexico

    1.436.300.000.000. Nur in 2020. Das Selfie deiner Mutter, der dicke Nackte mit den Wildschweinen, ein paar Millionen allein schon nur von Caro Daur und eben noch 1,4 Trillionen andere Fotos werden dieses Jahr geschossen. Jeder Gebrauchtwagen, jedes Tinderprofil, jede Hotelbuchungsseite ohne Bilder würde einen zurecht skeptisch stimmen. Nur ein Ort stemmt sich Berghainesk gegen die Durchfotoisierung des Abend- und Morgenlandes: die Speisekarte. Warum eigentlich? Will man sich die Überraschung beim Servieren nicht versauen? Oder ist es eine Art von Selbstschutz vor zu viel Offenheit, so wie man auch genau weiß dass man in den meisten Restaurants besser nicht in die Küche schaut? Oder sind bebilderte Speisekarten einfach untrennbar mit McDonalds verbunden. Ganz so schlimm ist es im Café Mexico zum Glück nicht, die normalen Tacos sind durchaus solide und lecker, nur die Vorspeisen wie Kaktussalat und wie mir berichtet wurde auch ein paar der anderen Hauptgerichte halten nicht, was die Bilder bereits nicht versprechen. Die weitgehend unbebilderte Tequila und Mezcal-Karte dagegen kann sich durchaus sehen lassen. Oder eben nicht sehen lassen, weil ja unbebildert. Also liebes Café Mexico, überlass das mit den schlechten Fotos lieber mir, Jumbo Schreiner weiß wovon ich rede.

    Ideal für: wenn man in der Nähe ist und für Tacos nicht nach St. Pauli will