Es hat schon einen Grund warum frische Nudeln in Nestern geformt werden. Ein Nest wärmt dich, es umarmt dich förmlich. Ein Nest gibt dir Halt, Geborgenheit. Du wirst genährt, es wird sich um dich gekümmert. Du wirst geschützt ja und mehr noch – du wirst geliebt. Genau wie frische Pasta es eben tut. Ein Nest und Pasta sind aber eben auch viel Arbeit und deswegen gilt für beides: am besten macht es jemand für einen. Idealerweise Dametto. Und zwar nicht nur längliche Pasta, sondern auch Tiramisu und Ravioli mit immer wieder wechselnden Füllungen. Ravioli werden zwar nicht in Nestern serviert aber wenn man mal ganz genau hinsieht: sind das nicht kleine Kissen?
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Ideal für: Freunde zu Besuch und keinen Bock alles selbst zu machen
Irgendwann werden die SETI-Teleskope ein Signal empfangen. Irgendwann wird dieses Signal nicht mehr mit einen Pulsar oder ähnlichen natürlichen Effekten erklärbar sein. Irgendwann wird man feststellen dass unbekannte Flugobjekte zu uns unterwegs sind. Irgendwann werden sich die Menschen deswegen die Köpfe einschlagen oder endlich zusammenraufen und ein multilaterales Empfangskomitee zusammenstellen. Irgendwann wird ein Raumschiff landen, angetrieben von einer Technologie die für uns komplett unverständlich ist. Irgendwann werden Wesen aus diesem Gefährt aussteigen, mit acht Armen oder gar keinen, teilweise oder ganz technisch-bionisch erweitert. Sie kommunizieren in einer Sprache die wir nicht verstehen oder auf eine Art, die wir mit unseren Sinnen gar nicht erfassen können. Irgendwann wird eines dieser Lebewesen nach der langen Reise eine Box aus fremdartigen Metall öffnen und etwas herausholen. Eine Art Schwefelplasma oder eine Energiequelle auf Molekülbasis, eben etwas, das diese Lebewesen für ihren Metabolismus benötigen. Und das ganze steckt dann natürlich in einem squishy Weißbrot.
Denn das ist einfach der kleinste gemeinsame Nenner allen Lebens im Universum: Essen in ein Brot packen. Die Bayern machen Leberkässemmeln, die Amerikaner machen Burger, die Engländer machen Sandwiches, die Kubaner machen obviously Cubanos, ja sogar die sonst nicht so Brotverrückten Asiaten machen Banh-Mi und Katsu Sando. Essen in erhitztes Getreide packen ist die einzige wahre Weltformel. Oder sogar Weltraumformel. Deshalb ergibt es auch komplett Sinn die Sachen, die sonst auf einen Taco kommen, mal in einer Torta, einem mexikanischen Sandwich, zu verputzen. Die könnt ihr bei Tortas Don Jaime entweder bestellen oder ihr macht euch selbst auf die Reise in einen etwas versteckten Eimsbütteler Hinterhof. Wenn die Aliens die Erde finden können, werdet ihr das ja wohl gerade noch schaffen.
Ideal für: wenn man Bock auf Tacos hat, aber irgendwie doch nicht Bock auf Tacos hat.
Man hat’s hier nicht leicht als Genuss. Nur eine Straßenecke weiter säuseln die Dienstleisterinnen in Moonboots ein hauchzartes “Na Kleiner, heute Nacht schon was vor?” in dein Ohr um einen zum Koitus zu verleiten. Oder zumindest zur Abhebung am nächsten Geldautomaten. Dazwischen Bars, die einem anbieten, die Sinne mit allem zu betäuben, was die Menschheit so an Brau- und Brannterzeugnissen bisher hervorgebracht hat, von der Wodkabombe bis zum Herrengedeck. Man kann sich der Ekstase des Tanzes hingeben, oder das was man zu diesem Zeitpunkt noch für Tanz hält. Und möchte man mit seinen Sinnen die Pfade des Legalen verlassen, wird einem auch die nahe Davidswache davon kaum abhalten können. Für den Geschmackssinn war die Reeperbahn bisher allerdings eher ein unbefriedigendes Gebiet, zumindest nüchtern. Das Reep, etwas versteckt im Schmidts Tivoli und explizit nicht als reines Theaterrestaurant gegründet, schickt sich an daran etwas zu ändern. Und es scheint ihnen zu gelingen. Ein paar bodenständige Originale wie Labskaus und Roulade sind sehr lecker, könnten aber gerne noch die Prise Besonderheit vertragen, die zum Beispiel die Vorspeise “Angler Sattelschwein” mit dreierlei Schwein – als Pulled Pork-Krokette, als gebackene Stippe und als gebeiztes Carpaccio – hat. Die Portionen könnten gerne ein bisschen kleiner sein und die Nachspeise ein bisschen weniger süß, aber ein bisschen drüber passt ja dann am Ende auch gut zur Reeperbahn. Gerade in einer Zeit, in der die sinnliche Ekstase fast allumfassend eingeschränkt werden muss.
Ideal für: Besuch von außerhalb, Hamburger Klassiker
Klinker ist nicht Terracotta. Es ist norddeutsche Klarheit gegen mediterrane Dekoration. Da nich für gegen dolce far niente. Dem Leben trotzen statt dem Leben frönen. Für Klinker muss man dem Ton 1300 Grad entgegenfeuern, damit sich die Poren glasgleich verschließen, viel mehr als jedem anderen Ziegel. Dann kann kommen was will, Nieselregen, Platzregen, Schneeregen, Regen von unten, Stürme und Sturmfluten. Es perlt ab. Klinker ist nicht immer schön, aber manchmal eben alternativlos. Klinker muss durch Sachen eben durch. Hoffentlich auch durch diese Sache mit dem Husten und den Aerosolen. Denn hinter jedem Wall aus Ton, wenn das, was abgewehrt werden muss, abgewehrt wurde, findet sich immer Wärme. In Menschen, in Gläsern, auf Tellern, im nordischen Spitzkohl genauso wie in mediterranen Sobrasada-Gnocchi.
Möge dieses Haus noch stehen, wenn der Sturm vorbeigezogen ist.
Ideal für: casual Fine Dining, Dates und kleine Freunderunden
The tomatoes taste like tomatoes. That doesn’t sound like much, but just remember the current state of the world:
We have presidents that are not a bit presidential. We have an near infinite number of milks that are not milk. Homeowners build gardens without a single plant in them. Offices should look like homes and homes are offices. People call democracies dictatorships while they admire real dictators. We breed dogs so that they’re not dog-sized anymore. G-Classes are never driven on dirt roads. Everyone tries to look like Kylie Jenner while even Kylie Jenner doesn’t look like Kylie Jenner.
Tomato with salt. This is a dish here at Taberna da Rue das Flores. It’s simple, but it really is a big deal. Because the simple stuff has to be good. No place to hide. And the tomato variety from the south of Portugal was crazy good. This is one end of the spectrum here at this small restaurant. The other one is surprising never-tasted-before flavours. A pork neck grilled in sea lettuce, a burned scallop, a portugese version of Okonomiyaki. This is not an “easy” restaurant you can blindly recommend to everyone visiting Lisbon. You might need to wait an hour for a table. You need to have a sense of appreciation for the super-simple and the complex. You need to have taste to taste the magic of Taberna da Rua das Flores.
Perfect for: Foodies (even though i hate the word)
Nach über einem Jahr Guide Pelzenstein möchte ich hier mal eine Nachricht an meine Fans richten: Ihr seid mir alle komplett egal. Ich hab den ganzen Quatsch nämlich eigentlich nur mit einer Zielgruppe im Kopf angefangen: mir selbst. Nachdem ich beruflich schon genug Dinge schreibe, über die Menschen drüberschauen und eine Meinung haben und die Meinung dann auch ärgerlicherweise kundtun ist Guide Pelzenstein von Pelzenstein für Pelzenstein and I, Mr. Pelzenstein, approve this message. Es ist der Versuch die Schere im Kopf mal so weit abzustumpfen, dass man sie einem Einjährigen nachts zum Schlafen mit ins Bett legen würde. Dass sich das irgendjemand sonst durchliest und mit einem Like in meine Richtung die Datenströme unnötig verstopft ist nur der icing on the cake eines Desserts, das ich am Ende vielleicht stehen lasse. Das Jubiläum des schäbigen Versuch, meine Lust zu futtern als Hobby zu deklarieren hab ich dann auch standesgemäß ohne euch alle im Heemann gefeiert. Und würde es mir wirklich am Herzen liegen, dass ihr alle gut essen geht, würde ich euch den Laden wärmstens empfehlen. Alleine dafür, dass sie ihre kleinen Portionen mit hanseatisch angehauchten Gerichten nicht “norddeutsche Tapas” nennen, würde ich den Betreibern schon das Bundesverdienstkreuz verleihen. Und jetzt schmeckt das ganze auch noch. Erbsenknödel mit Meerrettich-Soße, Sauerkirschgazpacho, Rotbarsch mit Süßkartoffelstampf – jedes Gericht hat ein überraschendes Element. Sogar der Ackerbohnen-Fenchelsalat – und ich hasse eigentlich Fenchel. Wenn einem andere Personen nicht so komplett egal sind wie mir geht man am besten mit mehreren Leuten hin, dann kann man noch mehr bestellen und alles durchprobieren (auch für Vegetarier und Veganer gibts Optionen). Und es gibt viel Philipp Kuhn, mit dem man anstoßen kann. Auf das letzte Jahr, auf die nächsten, auf die Dinnerpartner und auf all die, die sich den Quatsch hier durchlesen und an die man hoffentlich nie denken wird, wenn man das Ganze schreibt. Ach ja, und natürlich auf mich: die einzige Person, die hier wirklich zählt.
Ideal für: Besuch von außerhalb ist da, Dinner zwischen leger und besonders
Neben nervigen Pro-Sieben-Taff-Beiträgen über 17jährige Tech-Bro-Millionäre mit mattschwarzem Lambo hat uns der Bitcoin und Cryptocurrencyhype noch eine andere Sache gebracht: Das wunderbare Wort “volatil”. Keine Angst, ihr braucht nicht zu googlen. “Volatil” bedeutet stark schwankend, schnellen Änderungen unterworfen. Heute rich, morgen bitch. Heute hui, morgen pfui. Und das gilt eben nicht nur für halbseidene Blockchainwährungen, sondern auch für asiatische Gastrokonzepte. In kurzen, heftigen Wellen wurden aus den Thais plötzlich überall vietnamesische Pho-Läden, und dann aus ebendiesen wieder japanische Ramenbars. Ein neuer Chinese hingegen fühlt sich ja fast nach alter BRD an, nach Helmut Kohl in der Bonner Republik, Rauchen im Flugzeug, Sony Walkman und Katja Riemann, Katalysator-Einführung und vierstelligen Postleitzahlen. Der Hui Cookshop hat aber zum Glück nicht so viel mit Schweinefleisch süß-sauer und Fünf Köstlichkeiten zu tun. Es gibt herrliche Enten-Dumplings mit einer Sauce so tief und dunkel, man könnte sie fast zum Saumagen im Kanzlerbungalow servieren. Und auch bei den Nudeln mit Schweinebauch sackt das Erlebnis nicht volatil nach unten ab, sondern bleibt auf hohem Niveau. Werden jetzt also aus allen Ramen-Läden bald Hongkonger-Streetfood Cookshops? Falls ja können wir alle mit dem Finger auf das Hui zeigen, die wären dann vermutlich Schuld daran.
Gab es eigentlich in Deutschland Indianer? Ritten vor zweihundert Jahren Angehörige vom Stamme der Sioux oder der Apachen durch die Moorebenen Norddeutschlands und jagten dort mit Pfeil und Bogen Holsteiner Fleckvieh? Ist es vielleicht ein Ausweis historische Akkuratesse, dass die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg stattfinden? Vermutlich, oder sogar ganz sicher: nein. Wie kann es aber sonst sein, dass manche Lokale scheinbar auf einem verfluchten Indianerfriedhof gebaut wurden. Es gibt immer wieder diese Adressen bei denen das Umzugsunternehmen, wenn es alles aus dem Transporter geräumt hat, eigentlich gleich stehen bleiben kann, um alles wieder mitzunehmen, weil das Konzept schon nach fünf Minuten offensichtlich nicht zu funktionieren scheint. Die Osterstrasse 173 war genau so ein Ort: Südstaatenbar, undefinierbarer-Pizzaladen – man hat sich ja schon fast gewundert dass sich als nächstes nicht ein Bubble-Tea-Shop mit Tabletbestellung eingenistet hat. Den Kampf gegen den Fluch hat jetzt Green Papaya aufgenommen und scheinbar gewonnen, denn es wirkt nicht so als würden die Umzugswägen wie Geier um den Laden kreisen. Auch durchaus zurecht. Ich würde jetzt nicht den Planwagen spannen und den Oregon-Trail auf mich nehmen, um extra dort zu speisen, aber für eine (mit drei Läden ja fast schon) Kette ist das alles sehr solide, gerade die Gerichte mit Thai-Basilikum-Pesto kann man durchaus empfehlen. Noch dazu vor dem Hintergrund dass gerade was Thai-Essen angeht verdammt viel Schrott in Hamburg zu finden ist und das die letzten Jahre auch nicht gerade besser wurde. Eventuell auch einfach ein Fluch. Vielleicht gibt es ja auch eine unentdeckte Kreuzimmunität und asiatische Räucherstäbchen helfen gegen indigene Verwünschungen. Und bald gibt es dann hoffentlich die Karl-Muay-Festspiele.
Kino – „Ja da war doch mal was“ denkt man sich als man die großen roten Lettern über dem Hinterhof des Kuchi schweben sieht. Auch so ein Vor-Corona Vergnügen. Naja, Vergnügen… Fast and the Furious Teil dreihundertzweiundsiebzig mit der CGI Repräsentation von dem Hund von dem einen, der sich mal um den Baum gewickelt hat und Vin Diesels linken Bizeps in der Hauptrolle, dazu bitte zwei Hektoliter Cola-Light und Nachos mit diesem gelben Tapetenkleister. Oder halt gute Filme in irgendeinem Programmkino, in dem die Qualität der Vorführtechnik ungefähr auf dem Level von einem ins Wasser gefallenen Iphone 3S ist. Wenns das dann jetzt vielleicht mit Kino war, bleibt uns eben vielleicht nur noch essen gehen. Ist ja am Ende irgendwie auch das gleiche. Auf dem Teller gibt es Hauptdarsteller, Nebendarsteller. Dramaturgie ist wichtig, weiß jeder bei dem die Vorspeise schon mal nach dem Hauptgang kam. Der Regisseur ist meistens nicht zu sehen. Und den Schnitt sollte man eh nicht versauen. Das Kuchi Mitte: wäre in dem Fall ein asiatischer Thriller, für den westlichen Markt passend adaptiert. Die großen Stars Fernosts, Udon, Sushi, Dim Sum, Yakitori, Wok kommen nochmal zusammen um die Welt zu retten. Oder zumindest Berlin Mitte. Überzeugende Performance, hier und da fließt sogar mal ne Träne (Wasabi sei dank). Und seid beruhigt, wenn ihr aus dem Dunkel des Kuchi heraustretet könnt ihr immer noch die total bescheuert Kinofrage stellen: “Und, wie fandest dus so?”
Tomaten mit so nem Zeug drunter, so ne Art Mus, wie Hummus, aber irgendwie anders. Ein Eis ist auch dabei, aber kein Nachspeiseneis. Dann vermutlich ne Zucchini, auf jeden Fall ne Zucchini, einmal ein richtiger Brocken und dann einmal ganz dünn, mit so schwarzem Zeug drübergestreuselt. Krokant vermutlich, aus irgendwas was man auch noch durchschmeckt. Dann Saibling auf dem ein frittiertes Salatblatt liegt mit ner Hollandaise? Bernaise? Dazu ne Polenta, die aber nicht nach Polenta schmeckt und ne rote Limette, die man essen kann. Und n Zwetschgenküchlein mit Eis und … ist das das Mus vom Anfang? Ne, schmeckt anders.
Man kann dem Marta nicht so richtig viel vorwerfen, aber vielleicht diese eine Sache: Das einem das (sehr sympathische) Personal beim servieren nicht so wirklich die Gerichte erklärt. Das wäre nicht so schlimm wenn Schnitzel mit Pommes aufgetischt werden würden, das bekommt man dann auch noch mit eigenen Augen und dem Synapsenhaufen, der einem zwischen den Ohren hängt, hin. Bei den durchaus raffinierten regionalen Gerichten die hier serviert werden fühlt man sich aber wenn man mit der Interpretation allein gelassen wird dann doch recht schnell wie in einem Escape Room. Irgendwann hat man dann herausgefunden, dass man das eine Buch aus dem Regal herausziehen muss, der Schlüssel unter dem Waschbecken klebt, der Hummus eigentlich ein Sonnenblumenkernenmus war, das Krokant aus Sesam und der Gärtner natürlich der Mörder. Am Ende freut man sich über ein außergewöhnliches Menü (auch wenn manche Gerichte vielleicht ein Element zu viel haben), die warme Atmosphäre des ganzen Ladens – und darüber, dass auf Weinen Etiketten kleben. Das macht es für uns alle einfacher.
Maybe there’s no such thing as the color blue. Maybe stones can sing. There’s no good evidence that what we perceive as the reality really is the reality. But there’s tons of evidence that our senses are playing tricks on us. The seashell that sounds like the crashing of waves. Or that glass of Limoncello that tastes great when you’re sitting on a terrace on the Amalfi coast, but somehow loses its magic when you’re enjoying it on a balcony in Hamburg-Stellingen. Or the fumes of a two-stroke scooter engine. Where others smell the sharp sting of gasoline, i smell a Vespa Primavera riding through the narrow streets of Firenze. And also my highly pubescent 16 year old self driving my Aprilia SR 50 on questionably picturesque country roads in the bavarian outskirts. Ahhh, freedom. There’s limits to this form of transcendence, though. For example when a lobster claw tastes like gasoline, which is what happened to us at Locanda Dell’Angelo. An unusual mistake in a one-starred michelin restaurant that casts its shadow over the whole visit. No memories of Vespas, but of the mutual weirdness that occured when we told the waiter and the response was “well, it was cooked with a gas grill”. The weirdness continued when the pasta of the next course was quite undercooked, but we didn’t want to start a cultural-culianric war with a discussion about where al-dente begins. Not as Germans in Italy. Fortunately it got better, the sea-bream was outstanding and the pork ribs just fell from the bone. As much as the one flammable substance ruined the evening, the other slightly flammable fluid kind of saved it: the wine pairing was astonishing, with interesting rarities and vintage red dreams. Well, if we can’t trust our senses, at least we numbed them in the best way possible.
„Verpiss dich, Watussnik, sonst schlag‘ ich dich mit der Champagnerflasche tot!“ erklingt in meinem Kopf, gesprochen von der jungen Veronica Ferres, damals, als sie noch nicht an der Seite von moralisch-fragwürdigen Finanzmagnaten verweilte, sondern nur an der Seite von moralisch-fragwürdigen Filmmagnaten. Dann wieder ein französisch angehauchtes “Ühu, Jean-Luc hat so schön gepflanzt die Cypress.” oder “Film … Film ist Krieg” vom in der Toilette halb verblutenden Heiner Lauterbach. Die rote Inneneinrichtung, die schwarz verfliesten Waschräume, die laute Atmosphäre, diese Harvesterhuder Schwabinghaftigkeit, das Geld, der Habitus und das Botox der Gäste – all das wirkt wie eine Neuinszenierung von Helmut Dietls Klassiker “Rossini”. Und genauso wie es in “Rossini” nie wirklich über das gleichnamige Restaurant geht, geht es hier auch nicht ums Essen. Carpaccio ist keine Geschmacksbombe, Trüffel-Pasta etwas zu subschig. Drauf geschissen, ich liebe alles an dem Laden. Noch ein paar Besuche und ich machs wie Uhu Zigeuner und lass mir meine Post direkt ins Palazzo schicken. Paolo, wir brauchen neue Gläser!
Nur ein paar Wochen Lockdown und in Berlin treffen sich zigtausend Reichsbürger, Hippies, Verschwörungstheoretiker, Liegeradfahrer, Flat-Earther und sonstige Schwachmaten um Reichskriegsflaggen durch die Hauptstadt zu tragen, als würde eine alternate History-WM stattfinden. Ich will mir gar nicht vorstellen was gewesen wäre, wenn wir 7 Jahre lang nicht hätten rausdürfen. So lange saß nämlich Julian Assange in der Ecuadorianischen Botschaft in London fest. Ich weiß nicht was es da zum essen gab, aber ich würde “Die gute Botschaft” trotzdem blind der ecuadorianischen vorziehen. Allein schon weil das mit der “Fusion-Küche” hier irgendwie zu klappen scheint. Normalerweise bedeutet Fusion-Food ja meistens, dass das Restaurant nicht nur eine Küchenrichtung nicht beherrscht, sondern von zwei Landesküchen keine Ahnung hat. Hier hingegen gibts als Vorspeise eine Art dekonstruierten Schweinebraten, daneben japanische Karaage und später ein geschmortes Chuck Steak, das geschmacklich dank Sternanis und Zitronengras einen Umweg über Vietnam genommen hat. Wie selbstverständlichen neben Sushireis, einer halben Ente und lateinamerispanischen Saucen wie Mojo und Anchovy Chimichurri. Und das alles funktioniert hervorragend zusammen. Das kombiniert mit dem Blick auf die Alster, unzähligen Flaschen Wein, vielen Frotzeleien von Tim M. und der nächtlichen Plünderung des Zigarettenkellers des Hausherren hat dann zwar nicht zu einem 7-jährigen Aufenthalt geführt, aber immerhin zu einem 7-stündigen.
ideal für: ungezwungenes Fine Dining, Selfies mit dem Mälzer