Schlagwort: Pizza

  • Trattoria da Leandro 

    Trattoria da Leandro 

    Ich muss hier mal die AfD loben. Aber nur für eine kleine Sache. Den grundsätzlich ist das natürlich ein Drecksverein mit verachtenswerten Menschen. Aber der neue Claim, “Deutschland. Aber normal.”, der ist rein kommunikativ schon gut. Weil er ziemlich gut die mehr als fragwürdigen Wünsche der Kernwählerschaft relativiert. “Ich will ja nur ein normales Deutschland zurück.” klingt halt viel besser als “Ich will ein Deutschland zurück, in dem ich aufgrund meines Geschlechts oder meiner Herkunft Vorteile genossen habe.” Weil normal geht immer, gerade in Almania. Haben wir früher noch Glam-Rocker bewundert, die in goldenen Privatjets geflogen sind und teure Fernseher aus noch teureren Hotelzimmern geworfen haben, einfach nur so, fürs Gefühl, müssen jetzt Stars immer ganz normal sein. Wir wollen auf Instagram lieber Sarah Lombardi in ihrer Reihenhaushälftenhölle Apfelkuchen backen sehen als Nikki Sixx auf einem Jet-Ski beim Crack-Schnupfen zuzuschauen. “Stars – they’re just like us.” –  ja leider! Aber klar: Exzesse brauchen auch Normalität, sonst würde man sie ja gar nicht mehr erkennen. Wenn es jeden Tag Kaviar gibt, sind das irgendwann auch einfach nur Fischeier. 

    Also Trattoria da Leandro. Ein ganz normales Restaurant? Ja und nein. Hier gibt es zum Beispiel sehr, sehr gute selbstgemachte gefüllte Pasta. Am besten sind die allerdings, wenn sie nicht von einer sehr scharfen Sauce komplett überspielt werden. Aber vor allem ist Trattoria da Leandro ein solider Italiener, in dem man sich zwei Peroni und ein Hauptgericht reinpfeift und mit 25 Euro raus geht. Und ab und zu brauch ich so was. Im Gegensatz zu rechten Parteien im Bundestag.

    Ideal für: nach dem Baden noch zum Italiener

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  • Pizzaperol

    Pizzaperol

    Mein absolut liebstes Philosophiephänomen ist der Dunning-Kruger-Effekt. Grob zusammengefasst besagt er, dass Laien sich oft wesentlich besser einschätzen als Profis, denn “die Fähigkeiten die man benötigt, um eine gute Lösung zu erarbeiten sind genau die Fähigkeiten die man benötigt, um eine gute Lösung zu erkennen.” Man überschätzt seine eigene Kompetenz und man unterschätzt die Kompetenz von kompetenten Personen, da man einfach nicht die Kompetenz hat, um Kompetenz überhaupt zu erkennen. Julian von Pizzaperol ist die Gegenthese zum Dunning-Kruger-Effekt. Er hat wohl irgendwann mal eine Pizza gegessen und mit einem gewissen Maße von vielleicht nicht Selbstüberschätzung, aber zumindest einem wenig erschütterlichen Glauben an sich selbst gesagt: “Das kann ich aber besser!” Und: er kann es tatsächlich besser. Die Pizzen, die er da gerade in seiner Wohnung mit halbprofessionellem Equipment backt gehören zu den besten, die ich je gegessen habe. Der Teig ist perfekt, wirft riesige Blasen und hat einen großartigen, quasi hefefreien Eigengeschmack. Das Sugo, das nur aus San Marzano Tomaten und ein wenig Salz besteht, schmeckt derart geil intensiv, dass ich mir relativ sicher bin, dass er einen Deal mit der Mafia eingehen musste, um an die Dosen zu kommen. Ich muss noch Tage später an diese Margherita denken und rufe den Geschmack immer wieder auf meiner Zunge hervor – und das ist etwas das sonst meist nur Sterneküche bei mir hinbekommt.

    Das ganze läuft gerade noch im privaten Rahmen für Family & Friends, aber Julian ist auf der Suche nach einer Möglichkeit, gerne an einem Samstag, in einer Bar oder einem Restaurant seine Pizzen für die Öffentlichkeit zu backen. Irgendeine Location, die eine einigermaßen professionelle Küche hat eben. Also liebe Gastrobubble, bitte mal umhören und sich gerne bei ihm melden. Denn es sollen noch ein paar mehr Leute in den Genuss der Pizzaperol-Pizzen kommen. Ich halte es nämlich für ausgeschlossen, dass sich jemand eine holt, probiert und in Ermangelung jeder Objektivität sich selbst gegenüber sagen wird: “Das kann ich aber besser!”

    Ideal für: Stromkastendinner

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  • Slim Jims

    Slim Jims

    Es ist mir ja eigentlich egal. Aber eigentlich heißt es Guide. Französisch ausgesprochen. Wie “Gied”. [ɡid]. Nicht Guide. [ɡaɪ̯d]. Wie der Survival Guide. Oder der Tourist Guide. Wenn ich irgendwo mit nem Regenschirm rumstehe dann nicht um irgendwelchen Erikas aus Kassel den Kiez zu zeigen, sondern weil ich mal wieder bei Sauwetter an nem Stromkasten was futtere. Guide Pelzenstein. Wie der Guide Michelin. Im Gegensatz zu denen mach ich zwar keine Reifen, höchstens unreife Witze – aber n bisschen ist der Restaurantführer mit dem dicken Männchen eben schon Inspiration für diesen Instagram-Restaurantführer mit dem anderen dicken Männchen (Lockdown hit me hard). Auch weil die Bewertung schlau ist: 1 Stern ist einen Stop wert, 2 Sterne ist einen Umweg wert, 3 Sterne ist eine Reise wert. 

    Das Slim Jim gibts zwar noch nicht so lange wie den Guide Michelin aber immerhin schon seit 2009 und das war ne Zeit in dem sich noch nicht so richtig viele Läden Gedanken über Pizza gemacht haben und in der es noch keine Hefejunkies gab, die 72 Stunden cold fermenten und Hydrations-Ratios im Schlaf runterbeten können. Als große Innovation galt vielleicht Käse im Rand und “neapolitanisch” hielten die meisten für eine Verfahrensweise, wie man unliebsame Konkurrenten verschwinden lassen konnte. Und da fing Slim Jim mit den namensgebenden, sehr dünnen Pizzen an. Denn dünne Pizzen waren damals noch ein Qualitätsmerkmal. Und jetzt, nachdem man nach einiger Zeit mal da wieder da war? Bei ner dünnen Pizza kann man jetzt natürlich nicht wie so ein Mehlsommelier dastehen und über die Nuancen des Teigs fachsimpeln. Und die Tomate war vielleicht nicht ganz so geschmacksintensiv. Aber meine Lieblingscombo von vor 10 Jahren, Salsiccia und Zwiebeln, ist dann doch immer noch ziemlich gut. Und auch wenn ich jetzt nicht 3-Sternemäßig durch die ganze Stadt reisen würde, um ne Slim Jim Pizza zu essen, so kann man 1- oder 2-Sternemäßig gerade in der gastromäßig gar nicht so reich beschenkten Schanze durchaus nen Stop oder nen Umweg einlegen. 

    Ideal für: einen Stop oder einen Umweg

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  • Mission Pizza

    Mission Pizza

    Ab wieviel Wortspiel zeigt eigentlich ein Gastronom oder eine Gastronomin, dass er/sie vielleicht heimlich doch lieber einen Friseursalon aufgemacht hätte? Zum Glück haben bei Mission Pizza nur eine handvoll Gerichte Namen, bei denen man kurz vor dem Bestellanruf überlegt, ob man nicht doch lieber über die Lieferando-App bestellt. Bei der “Specktacular” mit Speck, Champignons und roten Zwiebeln ist die Benennung auch wirklich das Einzige, was ich daran auszusetzen habe. Und das obwohl ich kein großer Fan von Pizza Bianca bin. Bei der “Hot Honey” meckere ich gar nicht mehr: Salami mit Chilli-Honig und Tomatenbase, und das ganze auf New York-Style dough, der durchaus mal eine angenehme Abwechslung zu den ganzen neapolitanischen Teigungetümen ist. 

    Für alle Follower: Hingehempfehlung. 

    Und für Mission Pizza: hier ein paar Worstpiel-Rezept-Ideen:

    Pizza al Funky – mit Pilzen, aber die mit denen man alles bunt sieht

    Pizza Prostciuotto – mit Schinken und 4 Peroni

    Pizza ‚Ndrangheta – mit so viel Knoblauchöl, dass man danach nicht mehr reden sollte.

    Pizza Kawaii – mit Ananas und in Hello Kitty-Form

    Pizza Quattro Formatschi – zu kurz gebacken

    Pizza Pompei – zu lang gebacken

    Pizza Sparma – mit dem billigen luftgetrockneten Schinken

    Ideal für: Lockdown-Spaziergänge, Bestellung

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