Schlagwort: Ottensen

  • Der Player

    Der Player

    Wie eine Mischung aus Soho-House und dem McDonald’s Bällebad.

    So sah das Der Player für mich immer von Weitem aus. Und irgendwie wollte ich es deswegen gerne scheiße finden. Aber, es ist enttäuschenderweise mal wieder so, wie es so häufig ist, nämlich nicht ganz so einfach. Einerseits fragt man sich, ob man den Kickertisch und die Tischtennisplatte jetzt auch unbedingt gentrifizieren musste, andererseits ist es auch nicht immer gleich gentrifizieren, wenn man Billiard mal aus seiner selbstverschuldeten Spielothekigkeit herausholt. Und einem Volk, das mit eindeutiger Mehrheit die 4-Tage-Woche ablehnt, kann man auch gerne mal ganz unpädagogisch mit saftigen Hieben ein wenig Spiel und Freizeit einprügeln.

    Besagtes Volk verlangt aber ja, wie wir jungen Römer wissen, nicht nur nach Spielen, sondern auch nach Brot und deswegen jetzt Boulekugel aus der Hand und ab ins Erdgeschoss. Und auch hier ist es so, wie es beim Kickern meist auch ist: nicht ganz so einfach. Handwerklich ist das alles auf einem sehr hohen Level, Garpunkte wie bei der Garnele werden perfekt getroffen, die Zutaten sind von beeindruckender Qualität. Nur die Zusammensetzung verstehe ich nicht. Googlet einfach mal das Arcade-Game-Genre “Bullet Hell” und stellt euch vor, das ist eure Zunge. Jedes Gericht ist salzig, sauer, cremig auf Anschlag, wie als gäbe es einen High-Score zu knacken, aber leider hinterlässt deswegen auch jedes Gericht einen ziemlich ähnlichen Eindruck.

    Es fühlt sich an, als hätte jemand einen Ferrari-Testarossa mit Chanel No. 5 getankt, um dann aber Burnouts in einem Kreisverkehr in Oer-Erkenschwick zu drehen. Vielleicht ist das aber auch Teil des Konzepts. Vielleicht will da jemand einfach nur spielen. Ohne “Warum?”.

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    Ideal für: wenn man zu viel Netto macht für Kickern auf dem Kiez und Hesburger

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  • Marta

    Marta

    Tomaten mit so nem Zeug drunter, so ne Art Mus, wie Hummus, aber irgendwie anders. Ein Eis ist auch dabei, aber kein Nachspeiseneis. Dann vermutlich ne Zucchini, auf jeden Fall ne Zucchini, einmal ein richtiger Brocken und dann einmal ganz dünn, mit so schwarzem Zeug drübergestreuselt. Krokant vermutlich, aus irgendwas was man auch noch durchschmeckt. Dann Saibling auf dem ein frittiertes Salatblatt liegt mit ner Hollandaise? Bernaise? Dazu ne Polenta, die aber nicht nach Polenta schmeckt und ne rote Limette, die man essen kann. Und n Zwetschgenküchlein mit Eis und … ist das das Mus vom Anfang? Ne, schmeckt anders.

    Man kann dem Marta nicht so richtig viel vorwerfen, aber vielleicht diese eine Sache: Das einem das (sehr sympathische) Personal beim servieren nicht so wirklich die Gerichte erklärt. Das wäre nicht so schlimm wenn Schnitzel mit Pommes aufgetischt werden würden, das bekommt man dann auch noch mit eigenen Augen und dem Synapsenhaufen, der einem zwischen den Ohren hängt, hin. Bei den durchaus raffinierten regionalen Gerichten die hier serviert werden fühlt man sich aber wenn man mit der Interpretation allein gelassen wird dann doch recht schnell wie in einem Escape Room. Irgendwann hat man dann herausgefunden, dass man das eine Buch aus dem Regal herausziehen muss, der Schlüssel unter dem Waschbecken klebt, der Hummus eigentlich ein Sonnenblumenkernenmus war, das Krokant aus Sesam und der Gärtner natürlich der Mörder. Am Ende freut man sich über ein außergewöhnliches Menü (auch wenn manche Gerichte vielleicht ein Element zu viel haben), die warme Atmosphäre des ganzen Ladens – und darüber, dass auf Weinen Etiketten kleben. Das macht es für uns alle einfacher.

    Ideal für: lockeres Fine Dining