Schlagwort: Laotisch

  • Kim’s Kitchen

    Kim’s Kitchen

    Designermöbel sind ein Scam. Niemand fühlt sich wirklich wohl zwischen ihnen. Man stellt sie sich in die Wohnung, weil man gerne der Mensch wäre, der sich in so einem Vitra-Museum zu Hause fühlt, eine Art Design Möbel-Über-Ich. Der vollkommene Wohnmensch, Archetyp-Architectural Digest, dessen einzige Unvollkommenheit das bewusst leicht schief liegende Coffee Table Book ist. Geht mal in Kim’s Kitchen und stellt euch vor, hier würde alles voller USM Haller und Eames stehen. Keiner würde sagen: “Toll, hier fühlt es sich ja an wie als würde man bei Kim im Wohnzimmer sitzen.” So aber, mit den zusammengewürfelten Bänken und Tischen, den überall verstreuten Sitzkissen in Musterkombis über die glücklicherweise nie ein Interior-Designer nachgedacht hat, mit all den Krimskrams, den Leuchtreklamen und Girlanden und nicht zuletzt dank Kim fühlt man sich hier nicht wie in einem Imbiss oder Restaurant, sondern wie in einer kleinen, privaten Einzimmerwohnung. Kim kocht laotisch, und während es nur ein paar Meter entfernt dampft und zischt, unterhält sie sich mit den Gästen und erzählt, dass es keinen Favoriten auf der Karte gibt, sondern dass alle ihre Gerichte ihre Lieblingsgerichte sind. Na gut, wenn sie das nicht machen möchte, mache ich das eben. Die Vorspeise, Reisnudeln mit gehackten Lachs und einer tiefen Sauce aus Kokosmilch konnte schon sehr überzeugen, genauso wie die in der Pfanne geschwenkten Weizennudeln. Der wahre Knaller aber war das Larb, das laotische Nationalgericht (das manche schon mal als Laab beim Thai hatten). Ein lauwarmer Salat aus Rindfleisch (in Scheiben statt wie beim Thai oft als Hack), drei verschiedenen Arten von Zwiebeln, Galgant, Zitronengras, Kräuter, zwei Arten Chilis, Limette und Fischsauce ergeben eine Umami-Scharf-Salzig-Würzig-Sauer Aromenbombe, bei der alle Geschmacksknospen aus dem Winterschlaf gerissen werden, als wäre im Körper Notfallsirenentesttag. 

    Ich werde bestimmt wiederkommen. Weil ich mindestens die anderen vier Larb probieren möchte, weil ich die herzliche Atmosphäre in Kims Wohnzimmer so mochte – und wegen des unschlagbaren Angebots mit den Plastikuhren im Schaufenster, jede für nur 7 Euro!

    Ideal für: Private Dining Feeling

    Text oder Restaurant gefallen? Dann gib mir Trinkgeld: