Schlagwort: imbiss

  • Chingu

    Chingu

    “Weg, alles weg! Und keine einzige Spur.”

    “Es ist der perfekte Coup.”

    Frank ist schon seit 25 Jahren im Polizeikommissariat 14. Er hat schon alles gesehen. Die spektakulär lauten Dinge, Maikrawalle, G20, Geldautomatensprenger. Aber eben auch sehr viele spektakulär leise Dinge: Einbrüche, Ausbrüche und ja, zuletzt auch immer mehr Cyberkriminalität. Eines hatten alle Sachen gemeinsam: es gab immer irgendeine Spur. Auch wenn sie oft zu nichts führte. Eine der vielen Sachen, die sein junger Kollege Carl erst noch lernen musste. Zusammen mit: am Tatort nicht dumme Fragen stellen, wie als wäre man in einer schlechten Adaption von Notruf Hafenkante. “Habt ihr schon Fingerabdrücke gesucht?” fragte er die Spurensicherung im komplett leer geräumten Bucherer am Jungfernstieg. Das ist ungefähr so, als würde man das Meer fragen, ob es schon nass ist. Zu Franks Verwunderung bekamen sie eine Antwort, die kein hämisches Gelächter war: “Fingerabdrücke ja, aber unleserlich. Alles ist überzogen mit einer klebrigen Substanz.” Franks Nase musste sich der Substanz gar nicht so weit nähern, er erkennt den Geruch sofort: “Honey Butter! Dieser verdammte Pelzenstein!”

    Während sie mit Blaulicht Richtung Eimsbüttel fahren, verlässt gerade ein Gulfstream G650 den Luftraum über der Bretagne in Richtung Südwesten. An Bord: zwei Piloten, die keine Fragen stellen, ein süßlich-fettiger Geruch, der von der Kabine langsam ins Cockpit wabert, ein leidlich bekannter Foodblogger und ein Bucket voll mit einem der besten Koren Fried Chicken Hamburgs – bezahlt mit einer Audemars Piguet. Und, versteckt unter der Zunge eines linken Schuhs, ein kleiner Zettel mit einer Adresse in einem südamerikanischen Land, das nicht ausliefert.

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    Ideal für: die letzten Chicken Wings vor der Flucht

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  • Monsieur Alfon’s

    Monsieur Alfon’s

    Es gibt Menschen, deren Schaffen wirkt über den Tod hinaus. Bei einer Person wirkt aber ihr Nicht-Schaffen über den Tod hinaus: Arno Dübel.

    Denn trotz aller Bedrohungen, die “das System” gerade von allen Seiten erfährt, und hier ist jetzt jedem freigestellt was er so politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich als System bezeichnen würde, halte ich Arno Dübel für den gefährlichsten Menschen der Welt. Denn dieser Mensch, der von den Medien entweder naserümpfend als “Deutschlands faulster Arbeitsloser” verunglimpft oder als “Kult-Hartzer” bejubelt wurde, hatte eine Eigenschaft, die Gift ist für jedes System, das auf Wachstum gebaut ist:

    Absolute Zufriedenheit mit dem was ist.

    Und das selbst dann, wenn das, was ist, nicht viel ist.

    Das Einfache nicht nur hinzunehmen, sondern es regelrecht zu genießen, ist eine revolutionärere Aktion, als es jede Demo, jeder Anschlag, jeder Maschinensturm je sein kann. Elysium ist eine Einzimmerwohnung.

    Und in diesem Sinne haben die Croques von Monsieur Alfon‘s, die nicht dank der Bild, sondern dank und und zu beträchtlichen medialen Podcastruhm gekommen sind, hier auch ihren Platz. In der von Highlights nicht gerade gesegneten Welt der Croque-Läden sind die Brote hier weder Geheimtipps noch revolutionäre Neuinterpretationen, sondern einfach: sehr gute Croques. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

    Ich beiße rein, in mein ganz klassisches Croque Monsieur, mit ganz klassischer Sauce – und bin zufrieden. Und in Gedanken stehe ich mit erhobener rechter Faust an einem Grab in Hamburg Rahlstedt und skandiere: 

    “Arno, der Kampf geht weiter!”

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    Ideal für: einfach mal so

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