Schlagwort: Hamburg

  • Café Mexico

    Café Mexico

    1.436.300.000.000. Nur in 2020. Das Selfie deiner Mutter, der dicke Nackte mit den Wildschweinen, ein paar Millionen allein schon nur von Caro Daur und eben noch 1,4 Trillionen andere Fotos werden dieses Jahr geschossen. Jeder Gebrauchtwagen, jedes Tinderprofil, jede Hotelbuchungsseite ohne Bilder würde einen zurecht skeptisch stimmen. Nur ein Ort stemmt sich Berghainesk gegen die Durchfotoisierung des Abend- und Morgenlandes: die Speisekarte. Warum eigentlich? Will man sich die Überraschung beim Servieren nicht versauen? Oder ist es eine Art von Selbstschutz vor zu viel Offenheit, so wie man auch genau weiß dass man in den meisten Restaurants besser nicht in die Küche schaut? Oder sind bebilderte Speisekarten einfach untrennbar mit McDonalds verbunden. Ganz so schlimm ist es im Café Mexico zum Glück nicht, die normalen Tacos sind durchaus solide und lecker, nur die Vorspeisen wie Kaktussalat und wie mir berichtet wurde auch ein paar der anderen Hauptgerichte halten nicht, was die Bilder bereits nicht versprechen. Die weitgehend unbebilderte Tequila und Mezcal-Karte dagegen kann sich durchaus sehen lassen. Oder eben nicht sehen lassen, weil ja unbebildert. Also liebes Café Mexico, überlass das mit den schlechten Fotos lieber mir, Jumbo Schreiner weiß wovon ich rede.

    Ideal für: wenn man in der Nähe ist und für Tacos nicht nach St. Pauli will

  • Ristorante Palazzo

    Ristorante Palazzo

    „Verpiss dich, Watussnik, sonst schlag‘ ich dich mit der Champagnerflasche tot!“ erklingt in meinem Kopf, gesprochen von der jungen Veronica Ferres, damals, als sie noch nicht an der Seite von moralisch-fragwürdigen Finanzmagnaten verweilte, sondern nur an der Seite von moralisch-fragwürdigen Filmmagnaten. Dann wieder ein französisch angehauchtes “Ühu, Jean-Luc hat so schön gepflanzt die Cypress.” oder “Film … Film ist Krieg” vom in der Toilette halb verblutenden Heiner Lauterbach. Die rote Inneneinrichtung, die schwarz verfliesten Waschräume, die laute Atmosphäre, diese Harvesterhuder Schwabinghaftigkeit, das Geld, der Habitus und das Botox der Gäste – all das wirkt wie eine Neuinszenierung von Helmut Dietls Klassiker “Rossini”. Und genauso wie es in “Rossini” nie wirklich über das gleichnamige Restaurant geht, geht es hier auch nicht ums Essen. Carpaccio ist keine Geschmacksbombe, Trüffel-Pasta etwas zu subschig. Drauf geschissen, ich liebe alles an dem Laden. Noch ein paar Besuche und ich machs wie Uhu Zigeuner und lass mir meine Post direkt ins Palazzo schicken. Paolo, wir brauchen neue Gläser!

    Ideal für: Fans von lauter, lebhafter Atmosphäre,

  • Sierichs Biergarten

    Sierichs Biergarten

    Der letzte schöne Tag. Das schönste Totschlagargument der Welt. Noch einmal raus weil vielleicht ists der letzte schöne Tag. Weils nicht mehr schön wird. Diese Woche, diesen Monat, dieses Jahr. Dieses Jahrhundert. Klimakatastrophe, 300 Grad im Schatten. Irgendwann ist schön auch zu schön. Oder weils der letzte Tag ist. Carpe diem. Yolo. Oder halt einfach nur ne Pandemie, die uns nicht mehr rauslässt. Vielleicht sogar ne globale. Der letzte schöne Tag. Vielleicht. Also noch einmal in den Biergarten. Hier. In Hamburg. Ja genau. Ich hätte schon bald selbst einen aufgemacht. Bin schon mit Google Maps die Stadt abgeflogen. 53°33’30.7″N 9°57’10.2″E, zu morbid. 53°33’56.7″N 9°58’13.0″E, zu urinig. 53°35’23.5″N 9°58’50.1″E, zu laut. Aber Biergärten kann man nicht bauen, Biergärten vererbt eine Stadt. Palmen aus Plastik gehen, aber nicht Kies und Kastanien. Sierichs Biergarten hat nur wenig Kies, dafür aber Kastanien. Und einen einmaligen Blick über den Stadtparksee. This could be us, but you hast das mit dem Biergarten nicht so ganz verstanden. Bratwurst, Craft Beer und n Burgertruck? Dabei sind die Brezn noch gar nicht mal schlecht. Jetzt einfach nur n Wurstsalat, Obazda, Radi. Kann man ja alles vorbereiten, musst nicht mal was anbraten. Dazu Maßkrüge, vielleicht n Helles, n Radler. All das, nur das und wir hätten so viele letzte schöne Tage zusammen.

    Ideal für: Feierabendbier, einen schönen Tag, aber nicht den letzten schönen Tag

  • Die gute Botschaft

    Die gute Botschaft

    Nur ein paar Wochen Lockdown und in Berlin treffen sich zigtausend Reichsbürger, Hippies, Verschwörungstheoretiker, Liegeradfahrer, Flat-Earther und sonstige Schwachmaten um Reichskriegsflaggen durch die Hauptstadt zu tragen, als würde eine alternate History-WM stattfinden. Ich will mir gar nicht vorstellen was gewesen wäre, wenn wir 7 Jahre lang nicht hätten rausdürfen. So lange saß nämlich Julian Assange in der Ecuadorianischen Botschaft in London fest. Ich weiß nicht was es da zum essen gab, aber ich würde “Die gute Botschaft” trotzdem blind der ecuadorianischen vorziehen. Allein schon weil das mit der “Fusion-Küche” hier irgendwie zu klappen scheint. Normalerweise bedeutet Fusion-Food ja meistens, dass das Restaurant nicht nur eine Küchenrichtung nicht beherrscht, sondern von zwei Landesküchen keine Ahnung hat. Hier hingegen gibts als Vorspeise eine Art dekonstruierten Schweinebraten, daneben japanische Karaage und später ein geschmortes Chuck Steak, das geschmacklich dank Sternanis und Zitronengras einen Umweg über Vietnam genommen hat. Wie selbstverständlichen neben Sushireis, einer halben Ente und lateinamerispanischen Saucen wie Mojo und Anchovy Chimichurri. Und das alles funktioniert hervorragend zusammen. Das kombiniert mit dem Blick auf die Alster, unzähligen Flaschen Wein, vielen Frotzeleien von Tim M. und der nächtlichen Plünderung des Zigarettenkellers des Hausherren hat dann zwar nicht zu einem 7-jährigen Aufenthalt geführt, aber immerhin zu einem 7-stündigen. 

    ideal für: ungezwungenes Fine Dining, Selfies mit dem Mälzer

  • Chao Ban

    Chao Ban

    Wer mal in Vietnam war weiß: wo es am übelsten aussieht, ist es meistens am leckersten. Insofern ist der Stellinger Weg, das letzte Parkplatzbiotop Eimsbüttels, ganz authentisch für das (überhaupt nicht übel aussehende) Chao Ban. Vietnamesisch ohne große Überraschungen, aber ansonsten absolut solide.

    Ideal für: „Haben wir eigentlich noch was im Kühlschrank zuhause?“

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