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  • Monsieur Alfon’s

    Monsieur Alfon’s

    Es gibt Menschen, deren Schaffen wirkt über den Tod hinaus. Bei einer Person wirkt aber ihr Nicht-Schaffen über den Tod hinaus: Arno Dübel.

    Denn trotz aller Bedrohungen, die “das System” gerade von allen Seiten erfährt, und hier ist jetzt jedem freigestellt was er so politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich als System bezeichnen würde, halte ich Arno Dübel für den gefährlichsten Menschen der Welt. Denn dieser Mensch, der von den Medien entweder naserümpfend als “Deutschlands faulster Arbeitsloser” verunglimpft oder als “Kult-Hartzer” bejubelt wurde, hatte eine Eigenschaft, die Gift ist für jedes System, das auf Wachstum gebaut ist:

    Absolute Zufriedenheit mit dem was ist.

    Und das selbst dann, wenn das, was ist, nicht viel ist.

    Das Einfache nicht nur hinzunehmen, sondern es regelrecht zu genießen, ist eine revolutionärere Aktion, als es jede Demo, jeder Anschlag, jeder Maschinensturm je sein kann. Elysium ist eine Einzimmerwohnung.

    Und in diesem Sinne haben die Croques von Monsieur Alfon‘s, die nicht dank der Bild, sondern dank und und zu beträchtlichen medialen Podcastruhm gekommen sind, hier auch ihren Platz. In der von Highlights nicht gerade gesegneten Welt der Croque-Läden sind die Brote hier weder Geheimtipps noch revolutionäre Neuinterpretationen, sondern einfach: sehr gute Croques. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

    Ich beiße rein, in mein ganz klassisches Croque Monsieur, mit ganz klassischer Sauce – und bin zufrieden. Und in Gedanken stehe ich mit erhobener rechter Faust an einem Grab in Hamburg Rahlstedt und skandiere: 

    “Arno, der Kampf geht weiter!”

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    Ideal für: einfach mal so

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  • Maquis

    Maquis

    Kurt Cobain in allen Ehren, aber ich konnte dann am Ende doch mehr mit den Foo Fighters anfangen als mit Nirvana. Und das Solowerk von Robbie Williams überstrahlt meiner Meinung nach das Oueuvre von Take That. Und, der vielen Teenie-Tränen bei der One-Direction Trennung zum Trotz: Harry Styles ist halt als ein Eintel doch mehr als als ein Fünftel.

    Dem Anfang von allem wohnt ein Zauber inne, aber damit es den Anfang überhaupt geben kann, muss es irgendwo auch erst mal ein Ende geben.

    Insofern ist es eigentlich immer ganz gut, wenn in einem deiner Lieblingsläden jemand in den Sack haut, einen Teil des Spirits mitnimmt und daraus etwas Neues erschafft. Noch besser ist es natürlich, wenn es das Original-Restaurant dann auch weiterhin gibt.

    So wie beim Maquis, das sich aus dem Dunstkreis des Bistrot Vienna gebildet hat. Und so erkennt man als Vienna Ultra auch einiges emotional wieder. Die herzliche, familiäre Stimmung, die Bistrotypisch überschaubare Karte und auch der unverstellte Blick in die geschäftige Küche. Ein paar Dinge sind aber zum Glück auch anders: das rein vegetarische Angebot und die ganze Anmutung des Ladens, der mit seinem modernen Industrial-Charme und der etwas versteckten Location fast mehr nach Berlin als nach Hamburg passen würde.

    Zu unrecht noch bei zu wenig Leuten auf dem Schirm, aber naja, dem Drummer von Nirvana hat man ja am Anfang auch nicht viel zugetraut.

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    Ideal für: Alle, die das Vienna lieben, aber vor allem für Vegetarier, die das Vienna lieben.

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  • Marta

    Marta

    Tomaten mit so nem Zeug drunter, so ne Art Mus, wie Hummus, aber irgendwie anders. Ein Eis ist auch dabei, aber kein Nachspeiseneis. Dann vermutlich ne Zucchini, auf jeden Fall ne Zucchini, einmal ein richtiger Brocken und dann einmal ganz dünn, mit so schwarzem Zeug drübergestreuselt. Krokant vermutlich, aus irgendwas was man auch noch durchschmeckt. Dann Saibling auf dem ein frittiertes Salatblatt liegt mit ner Hollandaise? Bernaise? Dazu ne Polenta, die aber nicht nach Polenta schmeckt und ne rote Limette, die man essen kann. Und n Zwetschgenküchlein mit Eis und … ist das das Mus vom Anfang? Ne, schmeckt anders.

    Man kann dem Marta nicht so richtig viel vorwerfen, aber vielleicht diese eine Sache: Das einem das (sehr sympathische) Personal beim servieren nicht so wirklich die Gerichte erklärt. Das wäre nicht so schlimm wenn Schnitzel mit Pommes aufgetischt werden würden, das bekommt man dann auch noch mit eigenen Augen und dem Synapsenhaufen, der einem zwischen den Ohren hängt, hin. Bei den durchaus raffinierten regionalen Gerichten die hier serviert werden fühlt man sich aber wenn man mit der Interpretation allein gelassen wird dann doch recht schnell wie in einem Escape Room. Irgendwann hat man dann herausgefunden, dass man das eine Buch aus dem Regal herausziehen muss, der Schlüssel unter dem Waschbecken klebt, der Hummus eigentlich ein Sonnenblumenkernenmus war, das Krokant aus Sesam und der Gärtner natürlich der Mörder. Am Ende freut man sich über ein außergewöhnliches Menü (auch wenn manche Gerichte vielleicht ein Element zu viel haben), die warme Atmosphäre des ganzen Ladens – und darüber, dass auf Weinen Etiketten kleben. Das macht es für uns alle einfacher.

    Ideal für: lockeres Fine Dining