Kategorie: Vietnamesisch

  • Ai Bánh Mì

    Ai Bánh Mì

    Wraps sind Burritos, bei denen man sich keine Mühe gegeben hat.

    Überhaupt: werden irgendwo zu leichtfertig Oberbegriffe benutzt, dann Obacht!
    Ein Drehspieß ist meistens kein Döner.
    Ein Top-10 Hit ist meistens nicht die Nummer eins der Charts.
    Ein Laugengebäck ist höchst selten eine Breze.
    Und deswegen ist ein Bánh Mì auch nicht einfach ein Sandwich.

    Sandwich, das ist meistens Turbohefebrötchen mit Formschinken und Remoulade. Sandwich, das ist 6-Euro Raststätten-Müll, bei dem selbst der Sanifair-Bon mehr Nährwert hat. Sandwich, das ist Studenten-WG und 13 Semester nicht mehr gereinigter Presstoaster mit auf Diamanthärte eingebrannten Ablagerungen von Schmelzkäsescheiben.

    Sandwiches sind ein Synonym für Convenience geworden. Und eigentlich ist Convenience ja nichts Schlimmes. Im Endeffekt ist jede Art von Essen gehen Convenience, auch Sterneküche, weil es ja immer bequemer ist, wenn das einer für einen macht, als wenn man das alles selbst kochen müsste. Problematisch wird Convenience ja nur, wenn der Hersteller sichs bequem macht, immer nur das Schnellste, das Billigste, das Einfachste nimmt. Und genau das wird bei Bánh Mì eben nicht gemacht – und zum Glück macht das auch Ai Bánh Mì nicht.

    Es wird halt nicht irgendein Billo-Baguette genommen, sondern ein eigenes Brot aus Weizen und Reismehl, dass die perfekte Kombination aus leicht knusprig und doch fluffy und squishy ist. Es wird eben nicht mit Butter oder der noch billigeren Variante Industrie-Remoulade bestrichen, sondern mit Leberpaté. Es wird nicht eine Scheibe der billigsten Hollandtomate draufgelegt, sondern eingelegtes Gemüse, das erstmal ein bisschen Zeit braucht. Und es wird auch nicht mit irgendeinem kalten Aufschnitt aus der Großmarktverpackung belegt, sondern mit gegrilltem Schwein, Hähnchen oder Tofu, die auch als Hauptgericht auf einem Teller hätten landen können.

    Ein Bánh Mì ist ein Sandwich, aber ein Sandwich, bei dem man sich Mühe gegeben hat.

    Ideal für: Take-Away (auch wenn das mit Parken bei der Steinstrasse echt nicht leichter geworden ist)

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  • Bistro Hoàng Mai

    Bistro Hoàng Mai

    Ja, ich hab mir das alles auch anders vorgestellt. Ich dachte ehrlich gesagt dass ich spätestens bei meinem 100 Posts eigentlich nur noch in Wohnberechtigungsscheinfreien Stadtvierteln verkehre und bei meiner Ankunft in brokatbehangenen Sternerestaurants ungefragt schwere Teppiche und schwere Rotweine vor mir ausgebreitet werden. Dass ich “natürlich haben wir für Sie heute Abend noch einen Tisch frei” viel häufiger höre als “es gab wohl ein Problem mit Ihrer Kreditkarte”. Dass mein Lifestyle einfach insgesamt mehr Bill Gates als Billstedt ist. Falsch gedacht. Und wer ist dran Schuld? Na ihr. Weil die Posts die hier am besten gehen sind eben die von irgendwelchen Kaschemmen, die von außen eher aussehen wie n Handyshop als wie n Restaurant. Beziehungsweise was heißt hier “eher”? Um das Bistro Hoàng Mai momentan zu finden, muss man erstmal durch den gleichnamigen Asia Shop und dann den kleinen Durchgang suchen, hinter dem sich das Restaurant versteckt. Aber: Es lohnt sich. Die Pho Bo ist wirklich richtig, richtig gut, intensiv im Geschmack ohne den Fertigsuppenflavour, den man oft bei anderen Vietnamesen schmeckt. Und außerdem gibt es als Einlage hier nicht nur Rindfleisch sondern originalgetreu auch die Fleischbällchen, die sich kein Pho-Laden in den gentrifizierten Stadtteilen traut in seine Suppe zu machen, weil jeder Dulli dort denkt dass Filet das einzige Stück vom Tier ist, das nicht giftig ist. 

    Ich habs mal wieder getan. Ich bin mal wieder da hingegangen wo sich andere nicht hintrauen, all das nur für euch, die Likes und den Fame. Und wenn Jenfeld bald auch mal was von der Öffnung der Außengastro mitbekommen hat und das Hoàng Mai ein paar Stühle rausstellt werd ich wiederkommen, denn wenn schon die Pho so gut ist interessieren mich die restlichen Gerichte auch. Und wenn man mal ehrlich ist: so neben dem Brutalismus-Schlachtschiff namens Einkaufszentrum Jenfeld und der Nachbarschaft, in denen ausgestopfte Hosen als Blumenbeete dienen und ausgeblichene Deutschlandfahnen auf Betonbalkonen wehen, da wirkt das Bistro fast schon wie ein architektonisches Kleinod.

    Ideal für: kulinarische Ausflüge 

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  • Boba 102

    Boba 102

    Cathy Hummels hat mal gesagt “Mein Körper war verdammt harte Arbeit”. Das gilt für mich auch. All die Zusatzkilos auf den Hüften, das ist auch nicht immer Spaß und Leichtigkeit. Ihr denkt alle “Foodblogger, die reisen ständig herum, gehen nur in Sternerestaurants umsonst essen und bekommen ständig geile Sachen geschenkt.” Aber nicht hier. Denn Guide Pelzenstein geht auch dahin wo es wehtut. Dahin, wo sich die Glitzerwelt-Blogger nicht hintrauen. Ich bin der Günter Wallraff der Kulinarik. Der Navy Seal unter den Gastro-Kritikern. Die Ein-Mann-Spezialitäten-Spezialeinheit. Immer undercover und immer bereit zu- und nachzuschlagen. Derjenige, der keine Angst vor den weltweiten Krisenküchenherden hat. Derjenige, der sich traut, in einem Nagelstudio Banh Mi zu bestellen. Ew. Einerseits weil ich ein unerschrockener Pionier bin. Und andererseits weil ich Banh Mi wirklich gerne mag und nicht so ganz verstehe, warum die tausend Vietnamesen in Hamburg eines der besten To Go-Essen der Welt einfach nicht anbieten. Das Banh Mi von Boba 102 ist nicht das geilste der Welt, aber enttäuscht auch nicht. Brot ist soweit gut, das Gemüse ist nicht zu lange eingelegt gewesen, Fleisch und Sauce auch okay. Man bekommt bestimmt noch jedes einzelne Element ein bisschen geiler und fancier hin. Aber warum sollten sie auch, macht ihnen ja keiner Konkurrenz. Und dafür, dass das ganze Teil am Ende dann doch einfach immer noch normalerweise ein Nagelstudio ist, passt schon. Meine Mission hier war jedoch noch nicht beendet. Für euch fürchte ich weder Tod noch Teufel und gehe bis ans äußerste – also noch einen Maracuja-Kiwi-Bubble Tea dazu. Mein Gesicht dazu seht ihr beim swipe nach rechts. Wie sagen die Navy Seals: The only easy day was yesterday.

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    Ideal für: to go im Sommer

  • District Mot

    District Mot

    Eine Schlange kann keinen Elefanten essen. Rosen können nicht sprechen. Und ein Asteroid von der Größe eines Hauses kann keine Atmosphäre halten, in der Blumen geschweige denn kleine adelige Humanoiden überleben können. Und auch in einer anderen Sache hatte Antoine de Saint-Exupéry unrecht: Das Wesentliche ist für die Augen nicht immer unsichtbar. Manchmal liegt das Wesentliche auch gut sichtbar auf einer Verkehrsinsel inmitten eines von Touris überlaufenen Stadteils. Das Đistrict Một ist wahrlich kein Geheimtipp, allein schon weil er in einer Ecke liegt die von so vielen Hotels bevölkert ist, dass man abends gerne auch mal vor dem falschen “Amano” steht. Und dazu alarmiert der Vietnamese mit allerlei bunter vietnamesischer Plastikheit auf seiner “Terrasse”, die von Straßenbahnen umkreist wird wie von hungrigen Aasgeiern. Diesen Laden zu empfehlen fühlt sich fast so an wie als würde man sagen “Neuschwanstein? Wenn ihr schon da seid dann schaut euch doch gleich mal dieses Schloß an!”. Und trotzdem wird es hiermit getan: nach vielen Besuchen wurde ich noch nie von einem Gericht enttäuscht, im Gegenteil, neben sehr guten Basics wie Pho, Bao Bun Burger und diversen Reisnudelbowls gibt es immer mal wieder sehr spezielle Specials wie zum Beispiel Froschschenkel und Crawfish. Nur Elefant gab es noch nicht. aber wer weiß, vielleicht ist der auch einfach nur den Schlangen vorbehalten.

    Ideal für: Mittag, Weeknight Dinner,

  • Chao Ban

    Chao Ban

    Wer mal in Vietnam war weiß: wo es am übelsten aussieht, ist es meistens am leckersten. Insofern ist der Stellinger Weg, das letzte Parkplatzbiotop Eimsbüttels, ganz authentisch für das (überhaupt nicht übel aussehende) Chao Ban. Vietnamesisch ohne große Überraschungen, aber ansonsten absolut solide.

    Ideal für: „Haben wir eigentlich noch was im Kühlschrank zuhause?“

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