Kategorie: Thailändisch

  • Jing Jing

    Jing Jing

    Also jetzt nach 3 Jahren und über 170 Restaurantbesuchen kann man ja auch wirklich mal die kritische Frage stellen: Was weiß denn ich? Denn wie jeder gute Kreative überfällt auch mich in regelmäßigen Abständen dieses familiäre Gefühl, dass ich doch eigentlich gar keine Ahnung von dem Ganzen habe und bald jemand kommt und mich auffliegen lässt. “Wo ist denn eigentlich ihr Gastronomie-Abschluss? Ihr staatlich geprüfter Kritiker-Meisterbrief? Oder zumindest ihr Jodeldiplom? Sie können das hier doch gar nicht, Sie dürfen das hier doch gar nicht. Legen Sie die Schachtelsätze weg und nehmen Sie die Hände auf den Rücken!” Wenn ich jetzt zum Beispiel sage, dass das Massaman Curry im Jing Jing etwas zu süß war, woher will ich das bitte wissen? Hab ich jemals ein richtiges Massaman gegessen? War das, was ich bisher als Massman hatte, wirklich Massaman Curry? Ich bin ja kein thailändischer König, auch wenn ich viel Zeit meines Lebens schlecht benehmend in Bayern verbracht habe. Und vor allem: wenn alle anderen Gerichte, das cremige Larb-Tatar, der erfrischend saure Schweinefleisch-Salat, das bombastisch gewürzte Pad Krapao Gai, wenn die alle so unfassbar intensiv sind wie eine nächtliche TukTuk-Fahrt nach 13 Chang Bieren – dann muss ich sagen: vielleicht muss Massaman ja genau so sein. Und vielleicht hatte Jumbo Schreiner recht: ich kann das alles in Wirklichkeit gar nicht. 

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    Ideal für: Start ins Wochenende

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  • Thai Gourmet Imbiss

    Thai Gourmet Imbiss

    Es gibt eine relativ einfache Regel: Wenn irgendwo “best xy in town” steht, kann man mit an absoluter Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es in besagter Lokalität nicht das “best xy in town” gibt. Denn in der Gastrobranche ist Selbstbeweihräucherung noch mehr Gang und Gäbe als in christlichen Kirchen – aber eben: selten bei denen, bei denen es eigentlich stimmt. Ich wage es zu bezweifeln, dass statt “The Table” “Kevin Fehling’s leckere Molekularbude” zur Namensauswahl stand oder dass man sich überlegt hat, ob man dem Tantris damals ein “köstlicher wirds nicht” als Unterzeile verpasst. Die alte PR-Weisheit gilt auch hier: es ist besser, wenn andere sagen wie toll man ist, als wenn man selber sagen muss, wie toll man doch sei. Muss man sich also Sorgen machen, wenn ein Imbiss sich ein Binnen- “Gourmet” in den Namen setzt? Ist “Gourmet-Imbiss” nicht eigentlich überall außerhalb von Sylt ein Oxymoron (Hoffe ihr müsst das jetzt nicht alle googeln)? Ja und ja. Denn dieser kleine Laden mit seinen bunten Leuchtgirlanden und der Küche, die quasi zwei Drittel der Fläche einnimmt, ist auf den ersten Blick von der Fine Dining-weißes Tischtuch-soll ich Ihnen den Bentley parken?-Welt durchaus etwas entfernt. Aber er bietet eben auch wirklich sehr, sehr gute Thai-Gerichte. Vom Basilikum Chili bis zum Massaman Curry über die Wan-Tans, bei denen man sich wirklich fragt wieso die vegane Variante so gut nach Garnele schmeckt und eine Ente, die man so perfekt und noch rosa ganz selten bekommt ist das alles auf Thai-Niveau, nach dem man sonst lange sucht. Und das nicht nur weil in den letzten 10 Jahren jeder zweite Thailänder zu einem Vietnamesen wurde. Insofern gibt es von mir hier, als unabhängige dritte Stelle, die PR-trächtige Aussage: das “Gourmet” in Thai-Gourmet-Imbiss find ich immer noch irgendwie bescheuert, aber es ist rein kulinarisch durchaus gerechtfertigt. 

    Ideal für: Stromkastendinner am Kaiser-Friedrich-Ufer

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