Kategorie: München

  • Gasthau Waltz

    Gasthau Waltz

    In mir gibt es seit kurzem diese tiefe Sehnsucht.

    Seitdem überall von Artificial Intelligence die Rede ist, von Large Language Models, von Filmen und Bildern, die sich fast wie von Zauberhand digital selbst erschaffen, seitdem keimt in mir so eine stille Hoffnung auf: dass das nicht der Anfang von Etwas ist, sondern das Ende.

    Wir haben das digitale Universum einst geschaffen, um es zu füllen und jetzt füllt es sich selbst. Es braucht uns nicht mehr. Und irgendwie ist da diese kleine Hoffnung, dass wir jetzt einfach die Tür zusperren und den Schlüssel von der nächsten Brücke werfen. Die Hoffnung, dass wir das Internet all die Jahre einfach nur aufgezogen haben wie ein kleines Robbenbaby, es gefüttert und gepflegt haben, als es uns dringend gebraucht hat und jetzt, wo es endlich erwachsen ist, entlassen wir es in das große weite Meer, mit dem Glauben, dass es jetzt schon für sich selbst sorgen kann, mit einer bittersüßen Träne in den Augen, wohlwissend dass wir es vielleicht nie wieder sehen werden und mit der Hoffnung, dass es ihm ohne uns besser gehen möge.

    Und wir, wir können dann endlich wieder so Menschensachen machen. So richtige Menschensachen. Sowas wie das Gasthaus Waltz in München. Wo man österreichische Gerichte bekommt, die eben weder einfach eine Strg-C, Strg-V Kopie einer alpenländischen Kulinarikfolklore sind, aber eben auch nicht eine contemporary verfiltert hochkontrastige CGI-Fine Dining Version der K.u.K-Küche. Es sind Speisen, die ihre österreichischen Wurzeln klar erkennen lassen, aber genau die paar wichtigen Schritte weiter gehen, um sie zu etwas Besonderem werden zu lassen. Und genau weil die Teller mit einer gewissen Erwartung des Gastes spielen und sie dann mit ganz spitzer Feder übererfüllen, haftet der Küche so etwas zutiefst, nun ja, menschliches an.

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob meine Worte genau das beschreiben, was ich fühlte, aber ich bin eben auch keine perfekte KI-Sprachsoftware. Aber: Dank der traumhaften Weinkarte im wirklich wundervollen Gasthaus Waltz kann ich immerhin genauso gut abstürzen.

    Ideal für: einen Abend unter Menschen

    Text oder Restaurant gefallen? Dann gib mir Trinkgeld:

  • Vino Infernale

    Vino Infernale

    Weißt, man könnte sich das auch alles viel einfacher machen. Der Adi könnte sich einfach ne enge Leggings anziehen, seine beiden Pobacken Pamela Reif-mäßig vor die Linse quetschen, ein Glas Grauburgunder in der Hand halten und dann drunterschreiben “Don’t dream at your work, work on your dreams.” Oder der Moritz hält seine beiden Füße in den Sand irgendeines Adriastrandes, ein Fußkettchen ist am Knöchel und eine Flasche Muskateller Frizzante in seiner Hand zu erkennen und dazu lesen wir einfach “Travelling is the only thing you can buy that makes you richer”. (Ein Satz den auch nur Menschen für schlau halten, die wirklich noch nie was von Aktien, Gold, Immobilien oder sonstigen Wertanlagen gehört haben). Oder der Philipp sitzt am Tisch einer komplett weiß eingerichteten Wohnung, im Hintergrund noch eine Leuchtletterbox mit der Aufschrift “You & me = always” leicht unscharf zu erkennen, er linst verträumt über den Rand eines Glases Chardonnay und ballert dazu ein “Chemistry between people is the most important science of all.” in die Caption. Ja, könnte alles so einfach sein. Aber statt sich der gängigen Instagram-Bildunterschriftenlogik hinzugeben und einfach irgendwelche Kalendersprüche aus dem Internet zu copypasten, machen Vino Infernale halt den gleichen Quatsch wie dieser Account hier und schreiben ellenlange und sehr unterhaltsame Texte über alles, was man von denen so wegsaufen und was man in München dazu wegfuttern kann. Und das neben ihrem eigentlichen Job, nämlich Restaurants und Bars bei ihrer Weinkarte beraten, kurz vorm Wochenende per Lieferdienst den Münchnern ihren Wochenendsauf zu sichern und nebenbei dem Giesinger Flaneur ein paar Flaschen so unterzujubeln. Gutes Zeug, nicht einfach nur Wein zum wegkippen sondern ungewöhnlichere Dinger, die gut zu bestimmten Gerichten passen und die nach einer Weinbegleitung in einem gscheiten Restaurant schmecken. Folgt ihnen, auch wenn ihr nicht in München seid, allein wegen der Texte oder schreibt am besten mal ein paar Drohbriefe, dass die jetzt auch mal in den Norden liefern sollen. Ihr wisst ja, *Karl Ess-Voice*: “Es ist nicht genug zu wollen – man muss auch tun.”

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    Ideal für: Suff und Unterhaltung