Kategorie: Hamburg

  • Holy Taco

    Holy Taco

    “Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?” (Korinther 3:16). Insofern, was liegt näher, als ein paar heilige Tacos zu verspeisen? Es kann ja auch nicht ganz zufällig sein, dass Hostien und Tacos ziemlich die gleiche Form haben. Eventuell hat man damals einfach schlampig aus den Aramäischen übersetzt. Der biblische Verzehrhinweis in Moses 14:9-10 “Was aber weder Flossen noch Schuppen hat, sollt ihr nicht essen; denn es ist euch unrein.” dürfte dann dem Holy Taco auch bewusst sein, warum sonst heißt der Tintenfisch-Taco “Pulpo a la Diabala”? Sündigerweise haben wir ihn trotzdem bestellt, zusammen mit allerlei lange geschmorten Fleischstücken (Campechano, Carnitas) und dem etwas faden Blumenkohltaco. Psalm 112:5 sagt “Wohl dem, der barmherzig ist”, insofern sei hier mal das schöne Ambiente, die sehr guten Drinks und das generelle Wagnis, im moralischen wie kulinarischen Sündenpfuhl Reeperbahn eine hochwertige Tacobar aufzumachen, honoriert. Aber wir müssen auch an Timotheus 2:15 denken “Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als ein angesehener und untadeliger Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht vertritt.” und daher sei gesagt: viele Tacos sind recht gut, ein, zwei waren etwas langweilig aber so richtig großartig war am Ende keiner, da hat dann noch das gewisse Etwas gefehlt. Dennoch, ein guter Laden um mit Freunden das Brot zu brechen bevor man sich auf dem Kiez am Weine labt. Denn gerade dann gilt “Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! (Psalm 133:1). Insofern: Vergelt’s Gott!

    Ideal für: Pre-Kiez Dinner

  • Brücke

    Brücke

    Eine Brücke kann eine Eselsbrücke sein. Eine Eselsbrücke wird selten von echten Eseln benutzt. Esel findet man auf Santorini. Santorini ist eine Insel. Inseln sind umgeben von Wasser. Aus Wasser kann man Fische angeln. Ein sehr großer Fisch ist ein Thunfisch. Das Thunfischsashimi in der Brücke ist ausgezeichnet. Ausgezeichnet werden Preise im Supermarkt. Ein Supermarkt ist eine Art von Markt. Der Fischmarkt ist eine Institution in Hamburg. Eine andere Institution in Hamburg ist das Restaurant “Die Brücke”, das seit 30 Jahren in der Isestraße gastiert und nicht nur einen der schönsten Nebenräume Hamburgs hat, sondern es perfekt versteht, eine Mischung aus nationalen Klassikern (Töpfenknödel), internationalen Klassikern (Thunfischsashimi) und neuen Kreationen (Skreifilet mit Garnelenravioli) zu servieren. Servieren bedeutet der Wortherkunft nach “Sklave sein”. Sklaven wurden auf Schiffen transportiert. Die Geschwindigkeit von Schiffen wird in Knoten gemessen. Knoten macht man in Taschentücher, um sich an etwas zu erinnern. Beim Erinnern helfen Eselsbrücken.

    Ideal für: etwas gehobeneres Dinner, private Feiern mit (ich schätze) 15-20 Personen im Nebenraum

  • Momo Ramen

    Momo Ramen

    Ceci n’est pas une pipe. Das hier ist kein Ramen. Was Sie hier sehen, ist nur das Bild einer Schüssel Ramen. Egal wie gut ausgeleuchtet, egal wie detailliert, es wird sich nicht ändern, dass Sie gerade nicht auf ein asiatisches Nudelgericht schauen, sondern auf verschiedenfarbige kleine Leuchtpunkte die zusammengesetzt den Bildschirm eines Smartphones bilden. Dieses Bild riecht nicht, schmeckt nicht, dampft nicht, genauso wenig wie das Wort “Hund” bellen kann. Ein Bild von Ramen wird niemals Ramen sein.

    Tbh ich brauch einfach nur ne Ausrede weil meine Fotos nicht so gut geworden sind. Vielleicht ist das ja aber auch ganz gut. In Zeiten von Covid-19 kann ich nicht verantworten, dass Sie vor lauter Fotorealismus den Screen ablecken. Denn nach einer Schüssel Tantanmen Ramen drängt sich eventuell komplett zurecht der Verdacht auf, dass dies die beste Ramenbar Hamburgs ist (auch wenn die Nudeln im @lesser_panda_ramen noch einen Tick besser sind). Eigentlicher Star waren aber die Szechuan Style Gyoza als Vorspeise. Zumindest soweit ich mich erinnern kann. Aber auch eine Erinnerung ist ja am Ende nur das Aufzucken verschiedener Synapsen und niemals die exakte Wiederholung der tatsächlichen Begebenheit. Somit kann man dem eigenen Kopf vielleicht genauso wenig trauen wie instagram. Ceci n’est pas une Restaurantbesuch.

    Ideal für: Weeknight dinner .

  • Chen

    Chen

    Die großen Evolutionsfestspiele vor hunderttausenden von Jahren: Wie knapp war das eigentlich? War das von Anfang an klar dass da so ein unbehaarter, weitgehend kletterunfähiger Affe namens Homo Sapiens gewinnt oder gab es auch ernsthafte Konkurrenten? Die ach so schlauen Delfine? An Land halt nicht zu gebrauchen. Ich hätte ja mein Geld auf die Enten gesetzt. Die können fliegen, gehen, schwimmen und tauchen und müssten somit eigentlich der unbestrittene Herrscher über diesen Planeten sein. Vielleicht wurde ihnen aber zum Verhängnis, dass sie richtig zubereitet so lecker sind. Besonders wenn man mittags zu Chen watschelt und sie dort als asiatische Variante isst. Nicht breit gebaut, aber braungebrannt hängen die Evolutionsverlierer in der relativ schmucklosen Theke in dem relativ schmucklosen Laden und warten darauf, in die Suppenschüssel geworfen zu werden. Die Nudeln haben Biss, die Ente ist schlichtweg fantastisch und so sieht man auch über die herzförmige Schüssel hinweg, aus der man mithilfe seiner Greif- (Hände) und anderen primitiven Werkzeugen (Löffel) die Nahrung aufnimmt. Homo Sapiens 1, Ente 0. Aber nichts für ungut, wir fahren den ganzen Planeten eh grad vor die Wand, vielleicht werden die Karten Survival-of-the-fittest mäßig eh noch mal neu gemischt und ihr könnt endlich uns unterjochen.

    Ideal für: mittags

  • Trattoria Italia

    Trattoria Italia

    Zu den vom Aussterben bedrohten Arten des 21. Jahrhunderts gehört wohl neben dem Java-Nashorn und der Karettschildkröte ganz eindeutig auch der “Lieblingsitaliener”. Man könnte zwar jeden Stadtbewohner mittleren Alters nachts aus dem Schlaf reißen und er würde sich natürlich erstmal wundern, wie man eigentlich in seine Wohnung gekommen ist, einem aber dann ohne große Verzögerung seinen favorisierten Ramen- oder Pho-Laden nennen können. Italiener aber – Fehlanzeige. Los geht die Safari nach Nudeln, die nicht in asiatischer Brühe schwimmen, in einem denkbar absurden Biotop: der Seilerstraße. Die “Trattoria Italia” ist eines der kulinarischen Angebote im direkten Bierdunstkreis des Hamburger Bergs, in das man nicht unbedingt bereits betrunken reingehen muss (im Gegensatz zum KFC). Betrunken rausgehen ist natürlich optional. Die gute Nachricht: Während man einen Besuch im Kentucky Fried Chicken danach zu 100% bereut, bereut man ihn hier nur zu 50%. Denn die eine Hälfte der Gerichte war gut (Schwertfisch Carpaccio, Papardelle mit Wildschwein), die andere Hälfte, wie z.B. die Sepia Taglierini, eher fad und die Pizzen ganz enttäuschend. Daher die schlechte Nachricht: Kann man schon machen, aber zum Lieblingsitaliener taugts nicht. Auch wenn die Tatsache, dass man direkt raus- und in die nächste Bar reintorkeln kann, um dann lauthals “Bello Impossibile” zu grölen, natürlich ein paar mediterrane Lifestylepunkte auf der nach oben offenen Azzurro-Skala gibt.

    Ideal für: Was Essen vor einem Kiezbesuch

  • Leche de Tigre

    Leche de Tigre

    Dass Worte nur Schall und Rauch sind, wird einem ja besonders bei Lebensmitteln immer wieder bewusst. Man ist ja noch froh, dass der Mettigel trotz seines Namens keine Bestandteile des Igels enthält. Bei der Jerusalem-Artischoke, die weder aus dem gelobten Land stammt noch etwas mit dem gleichnamigen Korbblüter zu tun hat, wurde bei der Namensgebung hingegen komplett freigedreht. Und “Tigermilch”, die deutsche Übersetzung von Leche de Tigre, klingt jetzt auch erstmal wie etwas, dass einem bei einer Dschungelprüfung vorgesetzt wird (Hab ich mit 238 Abonnenten eigentlich schon Z-Promi-Status?). Aber keine Angst, es handelt sich bei Tigermilch nur um den Limettensud des Ceviche, das es in diesem peruanischen Restaurant reichlich, aber zum Glück nicht ausschließlich gibt. Fried Rice-Gerichte, langsam geschmorte Fleischstücke, Meeresfrüchte, – der Laden versteift sich nicht auf eine Art von Gericht, die Karte ist sehr abwechslungsreich und wer das Glück hat mit einer größeren Gruppe dort zu sein und sich einfach alles zu teilen wird sehen: kein einziges Gericht auf der Karte enttäuscht, vieles ist außergewöhnlich gut, dazu ist die Atmosphäre locker und die Drinks können auch was. Also gehet hin, aber bitte nicht mit Christian Schmidt. Der CSU-Politiker und ehemalige Ernährungsminister wollte vor einigen Jahren Begriffe wie “Vegane Wurst” oder “Sojaschnitzel” verbieten lassen, weil sie weder Wurst noch Schnitzel enthalten. Nicht auszudenken, was so einer mit einem Restaurant machen würde, das “Tigermilch” heißt.

    Ideal für: Nicht CSUler, ansonsten alles: kleine und größere Gruppen, Abend zu zweit oder mit Freunden. Hat im Sommer auch nen ganz netten Außenbereich.

  • Überquell

    Überquell

    Dass man heutzutage, sobald man sich auch mal nur für irgendwas etwas mehr als durschnittlich Mühe gibt, sofort ein “Craft-” davor klatscht, ist sprachlich eine Katastrophe und natürlich grundsätzlich total bescheuert. “Hättest du Lust meine Craft-Masterarbeit Korrektur zu lesen?” “Schatz, ich habe dir einen Craft-Adventskalender gebastelt.” “Mein neuer Craft-Disstrack wird Deutschrap zerstören. Kauft das Limited Edition Boxset!” OK Millenial, halt dein Craft-gebarbershoptes Maul. Nun, also rein in den Laden mit einer süßen Melange aus Aversion und Skepsis, die noch weiter unterfüttert wird als man auf der Klemmbrettkarte (klar) liest, dass es auch Bowls gibt. Nix da, gib mir Pizza und Helles. Und dann in regelmäßigen Abständen immer wieder ne weitere Runde Helles. Denn den Gefallen, den Laden genüßlich weiter zu verachten, tut mir das ÜberQuell natürlich nicht. Das Bier schmeckt ausgezeichnet, so gut, dass ich den ganzen Abend nur eine Sorte trinke, weil ich eh wiederkommen werde um die anderen zu probieren. Und die neapolitanische Pizza? Ist auch hervorragend und ruft sofort die Frage auf, apropos Craft, warum eigentlich gerade alle spannenden Pizzaläden der Stadt von nicht-Italienern eröffnet werden? Also liebes @ueberquell, crafte gerne weiter in deinem Instagram-Paradies/Fiebertraum am Hafen – solang das Bier und die Pizza schmeckt werd ichs vercraften.

    Ideal für: lockerer Abend, größere Gruppen, Hamburgbesucher und Sommer (große Terrasse direkt am Hafen)

  • COX

    COX

    Dass man sich Neid erarbeiten muss, während man Mitleid geschenkt bekommt, ist wohl eine der größten Binsen der Welt. Den Neid seiner Mitmenschen bekommt man sehr wohl geschenkt. Eventuell sogar vererbt. Oder man erheiratet ihn sich einfach. Oder … man geht mit mir ins Cox in der langen Reihe und erträgt meine missgünstigen Blicke in Richtung der Teller der Anderen (Der neue Kino-Hit von von Donnersmarck). Während mich saftiges, tiefrotes Rinderfilet mit Kräuter-Kartoffelpüree und das zarte Zanderfilet von den Seiten an- bzw. auslachten, war meine Krustentierparfait als Vorspeise so ganz lecker und der Kalbstafelspitz als Hauptspeise irgendwie zu suppig. Kann mir jetzt bitte mal jemand Mitleid schenken, wie es mir in diesem Unterarmtattoospruch versprochen wurde? Aber: irgendwie wars das noch mit mir und dem Cox. Der Laden hat genau diese rötlich-goldene Atmosphäre, die bei mir ein Bistrogefühl auslöst und es standen zu viele Weine auf der Karte, die ich wirklich sehr gerne mag. Ich bin noch kein Fan, aber ich komme wieder und hoffe, dass die andere Wandkalender-Weisheit einfach auch eine Lüge ist: Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.

    Ideal für: Geht eigentlich alles. Sowohl kleine als auch größere Gruppen, romantische Dates genauso wie Kundentermin

  • Kombüse

    Kombüse

    Bevor es Captains Dinner gab und Sterneköche Spitzenrestaurants auf Kreuzfahrtschiffen eröffneten bekam man kulinarisch aus den Kombüsen der Schiffe meist nur zwei Sachen: Kartoffeln und Skorbut. Good news vorweg: dank Limette im Sol dürfte das mit dem Skorbut hier kein Problem werden. Die etwas schlechtere Nachricht: mit den ganzen fancy Taco-Läden, die St. Pauli gerade überfluten wie ein Kaventsmann kann die Kombüse nur bedingt mithalten. Hier findet man gute Tex-Mex Küche ohne große Überraschungen: Burritos, Tacos, Enchiladas, Chili. Mit Bohnen, mit Reis, mit Sour-Cream, mit scharfen Saucen. Das kennt man alles schon so ähnlich, das ist auch alles nicht so wahnsinnig instagramable – aber trotzdem oder genau deswegen kommt man doch immer wieder ganz gerne her. Der Laden hat etwas ur-sympathisches, so ein St. Pauliges je-ne-sais-quoi das immer mehr Läden in diesem Stadtteil abgeht. Vielleicht ja weil es genau das ist was man sich auf hoher See wünscht: Gutes Essen, nette Leute mit an Bord – und keine großen Überraschungen.

    Ideal für: Leger mit Freunden

  • Anici

    Anici

    Ich weiß über die Kolonialzeit der Ungarn sehr wenig. Ich weiß überhaupt über Ungarn überhaupt sehr wenig außer dass ohne sie vermutlich Kartoffelchips nicht so gut schmecken würden. Zumindest ist es mir entgangen, dass die Ungarn Indochina besetzt haben. Trotzdem scheint es ein vietnamesisches Gulasch zu geben. Im Anici findet man immer mal wieder ein Gericht wie Bo Kho, das man von anderen Vietnamesen nicht kennt. Geschmacklich alles immer ganz ok, auch wenn man bei keinem Gericht rufen würde “das ist der/die/das beste Pho/Bun/Chao Hamburgs”. Das Bo Kho war zwar ganz lecker, aber die Sauce hat etwas nach Fertigsauce geschmeckt und nicht die Tiefe gehabt, die man von einem lange eingekochten Gulasch kennt. Und ich glaube hier findet sich auch der Grund, warum die Ungarn nie groß kolonialisiert haben: Die hatten einfach keine Zeit, die mussten ja tagelang neben dem Feuertopf stehen und darauf achten, dass das Fleisch langsam zerfällt. Hätten die Engländer mehr Schmorgerichte, die Welt wäre heute eine andere.

    Ideal für: wenn man gerade in der Nähe ist .

  • Thämer’s

    Thämer’s

    Ohne Bier keine Zivilisation. Was erstmal klingt wie ein Aufdruck auf einem Jungesellenabschiedsshirt, ist vermutlich die feinherb-bittere Wahrheit. Denn Ackerbau, Brot backen oder ein Huhn schlachten konnte meist eine Sippe alleine. Aber für den leidlich komplizierteren Akt des Bierbrauens mussten sich mehrere Höfe zusammenschließen. Daraus entstanden Siedlungen, daraus Dörfer, daraus Städte. Und in einer davon steht heute das Thämer‘s. Dort gibt es unspektakulär gutbürgerliche Küche mit sehr guten Bratkartoffeln, aber ums Essen geht es hier nur selten. Es bleibt immer Grundlage für das Augustiner Helle, das man hier zwar inzwischen in jedem Kiosk bekommt, aber wohl fast nur im Thämer‘s vom Fass. Und so sitzt man da an einem von vielen Abenden und diskutiert all diese Probleme, die ein Leben in der Zivilisation mit sich bringt – und ist froh, dass man viele Gläser von diesem einem Ding hat, das die Zivilisation mit sich brachte.

    Ideal für: Abend mit Freunden und im Sommer draußen. Die Terrasse des Thämer’s am Großneumarkt ist wohl einer der einzigen Orte in Hamburg der es schafft, eine Biergartengefühl zu erzeugen, das dem Original nahe kommt.

  • Jacobs Restaurant

    Jacobs Restaurant

    Sollte die deutsche Autoindustrie irgendwann komplett den Bach runtergehen, das Jacob’s Restaurant im Louis C. Jacobs könnte sie vermutlich noch auf Jahrzehnte beliefern: Käsewagen, Pralinenwagen, Gänsetranchierwagen … im Jacobs Restaurant wird mehr geschoben als bei Fußballspielen unter der Leitung von Robert Hoyzer. Wer sich reinwagt, sitzt mondän unter Kristallleuchtern und inmitten der Bewohner der ungeraden Elbchauseehausnummern. Am Nebentisch Automobilzuliefererbetriebsbesitzer im Trachtenjanker nebst Speditionspatriarch mit ins Hemd gesteckter Krawatte. Und irgendwo von einem Vierertisch hört man ein entferntes “Sohn, dein Tibetologiestudium ist eine Schande für diese Familie.” Okay, vielleicht übertreib ich etwas. Hemd sollte man schon tragen aber man fühlt sich auch sehr willkommen, wenn man zu der Sorte Mensch gehört, die in den letzten zwei Jahren mal selbst Lebensmittel einkaufen war. Die Weinbegleitung ist sensationell und überrascht mit Regionen die man niemals mit Weinbau verbunden hätte (Kanada? Kanaren?). Und auch wenn die Taube als Hauptgang vielleicht am Anfang ein bisschen gewöhnungsbedürftig war, hat fast jeder Gang restlos überzeugt. Die Pina Colada Nachspeise war vielleicht etwas sehr süß, aber da hilft ein lautstark gegröltes “Harry, fahr schon mal den Schnapswagen vor!” (bitte nicht machen). Die rollende Spirituosenbar hat nämlich einige Raritäten zu bieten, wie zum Beispiel Zitronengrasobstler. Aber dann bitte den eigenen Wagen stehen lassen und das Taxi nehmen. Oder den Heli bestellen. Was immer man halt so an der Elbchaussee macht.

    Ideal für: sehr spezielle Anlässe.

  • Vineyard

    Vineyard

    Als Jesus Wasser zu Wein gemacht hat, zu welchem denn eigentlich? Riesling, Merlot, Shiraz? War die Scheurebe gerade in? Oder gönnte er sich und seinen Gästen einen schönen Rosé? Die Aufzeichnungen dazu sind leider etwas bruchstückhaft. Was man aber sicher sagen kann: im Vineyard hätte er nicht wirklich was zu tun. Wein gibt es hier nämlich genug, da muss nichts mehr verwandelt werden. Tagsüber normaler Weinladen verwandelt sich die große Halle abends in eine Weinbar, in der für ein geringes Korkgeld alle Flaschen bestellt und getrunken werden können. Wer normale Gastromargen kennt, weiß: hier trinkt man tolle Weine, für die man in anderen Läden ein gutes Stück mehr zahlen würde. Und das glücklicherweise immer recht bodenständig ohne Sommelier-Chi-Chi. Heißt hier kann man auch her wenn man Muskateller für das Zeug hält, das man in den Kartoffelbrei reibt. Apropos Kartoffelbrei: es gibt natürlich auch etwas zum Essen. Flammkuchen, Abendbrotbretter, Bar-Food Etageren – alles sehr solide ohne großes Spektakel, aber doch so gut dass man häufig hintereinander herkommen kann. Und das muss man auch, denn die über 50-seitige Weinkarte trinkt sich ja wohl nicht von alleine. Also hin da, besonders im Sommer wenn man vor dem Vineyard draußen sitzen kann und der eigentlich schmucklose Hinterhof überraschenden Charme entfaltet. Und sagt dem langhaarigen Typen mit den Latschen bei uns am Tisch er braucht sich nicht an der Wasserflasche verausgaben, wir haben grad noch nen Philipp Kuhn bestellt.

    Ideal für: Weinliebhaber (duh!), größere Gruppen, Sommerabende, spontane Abende (man bekommt meistens ohne Reservierung einen Platz)