Kategorie: Hamburg

  • Dim Sum Haus

    Dim Sum Haus

    TSCHINA! TSCHEINA! TSCHAINA!!!! Wie froh kann man eigentlich, sein dass der orange Agitator bald nicht mehr den roten Knopf in der Hand und die große Fresse hinter dem präsidialen Rednerpult hat? Und das asiatische Land für alles und vor allem die eigene Inkompetenz blamen kann? Dann denkt man bei “chinesich” vielleicht auch endlich mal wieder ans Essen. In den 90ern war “der Chinese” ja der Inbegriff der Exotik, was mich aber als leicht übergewichtigen Teen trotzdem nie dazu inspiriert hat, mal was anderes als “Schweinefleisch süß-sauer” zu bestellen. Dass da noch n bisschen mehr geht bekommt man aber gar nicht mehr so leicht mit, da ja inzwischen jedes China-Restaurant gefühlt einem Thai, Vietnamesen oder Koreaner weichen musste. Nur das Dim Sum Haus trotz seit fünf Jahrzehnten diesem Trend. Und zwar mit voller Wucht. Das Interieur hat eine so wunderbare chinesische Trutschigkeit, dass es fast schon an Stereotypie grenzt. Sieben Präsidentenamtszeiten hält man aber nicht nur mit ein paar Ming-Vasen und Wandlaternen durch: die Dim Sums aus der reichhaltigen Karte sind wirklich großartig, man sollte viele bestellen und unbedingt auf die Tipps der Kellner hören. Trotzdem aber bitte noch etwas Platz lassen für die Peking-Ente. Die ist alles andere als eine “lame duck”, sodass um die knusprige Haut des Geflügels schon bald bilaterale, diplomatische Krisen an beiden Enden des Tisches entstehen. Die Ente und die Dim Sums gibt’s gerade jetzt im November übrigens auch für Zuhause. Das ist insofern vorteilhaft, weil man eine Peking-Ente quasi unmöglich selbst zuhause hinbekommt und man sich gleichzeitig nicht mit dem etwas ungeschickten Empfangspersonal des Dim Sum Hauses rumärgern muss. Naja, die letzten 4 Jahre haben eben dann doch zu einer gewissen Sittenverrohung beigetragen.

    Ideal für: 90er Nostalgie, viel Hunger (man möchte einfach möglichst viele Dim Sums probieren), Gruppen (dann bekommt man den Tisch mit der Drehplatte)

  • Kokomo Noodle Club

    Kokomo Noodle Club

    Dieser Körper ist ein Gefängnis. Meine Artgenossen springen von Sims zu Sims, liefen über heiße Blechdächer und tanzten über die Bühnen der Musicaltheater. Aber ich bin hier, in die Unbeweglichkeit verdammt. Die Augen starr geradeaus, die Hinterläufe mit dem Unterkörper vollends verschmolzen, den rechten Arm wie angeklebt angelegt. Nur die linke Pfote, diese verfluchte linke Pfote ist das letzte Zeichen meiner Lebendigkeit. Ein letzter Rest Würde, ein letzter Rest Bewegung. Der letzte Weg um mich der Welt mitzuteilen. Und dann ist alles, was ich machen kann: auf und ab, auf und ab, auf und ab, auf und ab, auf und ab. Winke, winke. Bye, bye, bye, bye. Machts gut, machts gut, machts gut. Das Universum ließ mir nicht mal mehr ein Wort, nur noch ein Geste, eine einzige unmissverständliche Geste, eine einfache Botschaft, die ich den Anderen mitgeben kann und sie lautet: geht!

    Nur eine halbe Drehung würde reichen und ich könnte sie heranwinken, könnte sagen: “Kommt her, leistet mir Gesellschaft. Tretet ein, labt euch. Erlebt die Freuden die mir nicht mehr zugestanden werden. Esst die hervorragenden Gyozas, das knusprig-sabschige Korean Fried Chicken, die Ramen mit wunderbaren Biss. Trinkt, esst, streitet, küsst, tanzt, schlagt euch!” Nur eine kleine Drehung der Pfote, und die Welt würde mich endlich verstehen.

    Wieviel Leben haben Winkekatzen, und wann ist dieses endlich vorbei?

    Ideal für: Weeknight Dinner

  • Reep

    Reep

    Man hat’s hier nicht leicht als Genuss. Nur eine Straßenecke weiter säuseln die Dienstleisterinnen in Moonboots ein hauchzartes “Na Kleiner, heute Nacht schon was vor?” in dein Ohr um einen zum Koitus zu verleiten. Oder zumindest zur Abhebung am nächsten Geldautomaten. Dazwischen Bars, die einem anbieten, die Sinne mit allem zu betäuben, was die Menschheit so an Brau- und Brannterzeugnissen bisher hervorgebracht hat, von der Wodkabombe bis zum Herrengedeck. Man kann sich der Ekstase des Tanzes hingeben, oder das was man zu diesem Zeitpunkt noch für Tanz hält. Und möchte man mit seinen Sinnen die Pfade des Legalen verlassen, wird einem auch die nahe Davidswache davon kaum abhalten können. Für den Geschmackssinn war die Reeperbahn bisher allerdings eher ein unbefriedigendes Gebiet, zumindest nüchtern. Das Reep, etwas versteckt im Schmidts Tivoli und explizit nicht als reines Theaterrestaurant gegründet, schickt sich an daran etwas zu ändern. Und es scheint ihnen zu gelingen. Ein paar bodenständige Originale wie Labskaus und Roulade sind sehr lecker, könnten aber gerne noch die Prise Besonderheit vertragen, die zum Beispiel die Vorspeise “Angler Sattelschwein” mit dreierlei Schwein – als Pulled Pork-Krokette, als gebackene Stippe und als gebeiztes Carpaccio – hat. Die Portionen könnten gerne ein bisschen kleiner sein und die Nachspeise ein bisschen weniger süß, aber ein bisschen drüber passt ja dann am Ende auch gut zur Reeperbahn. Gerade in einer Zeit, in der die sinnliche Ekstase fast allumfassend eingeschränkt werden muss.

    Ideal für: Besuch von außerhalb, Hamburger Klassiker

  • Restaurant Klinker

    Restaurant Klinker

    Klinker ist nicht Terracotta. Es ist norddeutsche Klarheit gegen mediterrane Dekoration. Da nich für gegen dolce far niente. Dem Leben trotzen statt dem Leben frönen. Für Klinker muss man dem Ton 1300 Grad entgegenfeuern, damit sich die Poren glasgleich verschließen, viel mehr als jedem anderen Ziegel. Dann kann kommen was will, Nieselregen, Platzregen, Schneeregen, Regen von unten, Stürme und Sturmfluten. Es perlt ab. Klinker ist nicht immer schön, aber manchmal eben alternativlos. Klinker muss durch Sachen eben durch. Hoffentlich auch durch diese Sache mit dem Husten und den Aerosolen. Denn hinter jedem Wall aus Ton, wenn das, was abgewehrt werden muss, abgewehrt wurde, findet sich immer Wärme. In Menschen, in Gläsern, auf Tellern, im nordischen Spitzkohl genauso wie in mediterranen Sobrasada-Gnocchi.

    Möge dieses Haus noch stehen, wenn der Sturm vorbeigezogen ist.

    Ideal für: casual Fine Dining, Dates und kleine Freunderunden

  • Tōrnqvist

    Tōrnqvist

    Dieser Beitrag ist eigentlich komplett sinnlos, denn das tōrnqvist gibt es seit heute nicht mehr. Und obwohl die Schlange am letzten Tag so lang war, dass selbst die Polizei mal vorbeischauen musste, wird die Schließung vermutlich nicht alle stören. Denn ein bisschen als Hipsterladen war es natürlich schon verschrien: Nur 3 Arten der Zubereitung, kein Zucker, das minimalistisch-kubistische Interior, das nur zu gerne als Hintergrund von irgendwelchen Influencerinnnen genutzt wurde – es hätte durchaus alles auch aus einem Conan O’Brien Sketch über Gentrifizierung stammen können. Persönlich gings mir mit dem Tōrnqvist ähnlich wie mit dem Ændrè – ich fand den Dogmatismus um das Thema Kaffee irgendwie unfreiwillig komisch. Aber der Zweck heiligt auch hier die Mittel. Flat White fand ich zwar immer nur so mittel, ich finde der Kaffee hier eignet sich nicht für Milch. Aber Handbrew, Shot, alles was quasi Kaffee pur war, war immer auf einem anderen Level. Weil man hier eben nichts verstecken konnte und sich die nerdige Detailversessenheit dieses Ladens ausgezahlt hat. Und ob man Fan war oder nicht: es ist immer scheiße, wenn ein Laden schließt, der sich mehr Mühe und mehr Gedanken über das, was er den Leuten verkauft, gemacht hat.

    Hoffentlich hat Trude Herr recht: Niemals geht man so ganz.

  • Wohlers

    Wohlers

    Martin Luther hat alles dafür getan, dass es das Wohlers niemals hätte geben sollen. Denn als der Mann vor gut 500 Jahren ein paar historische Post-Its an die Wittenberger Kirche klebte, hatte das ganze auf lange Sicht betrachtet durchaus auch kulinarische Folgen. Die typischen süddeutschen Gaststätten, mit Völlerei, Wein und Bier und immer wieder von oben geduldet durch die Möglichkeit des befreienden Ablasshandels hatten im freudlos protestantischen Norden einfach keine Legitimation. Und so merkt man, gerade als “Zuagroaster”, dass Hamburg eben genau diese typischen Wirtshäuser fehlen. Holzvertäfelt, leicht schummrig, mit guter, bodenständiger Kücher aber auch der Möglichkeit, einfach nur für ein paar Bier hinzugehen. Das Wohlers ist da die glückliche Ausnahme. Ein paar Klassiker auf der Karte, ein paar moderne Gerichte wie Jakobsmuscheln und Pulpo, alles in einer atmosphäre bräsiger Gemütlichkeit, die geradezu nach der Errichtung einer regelmäßigen Trinkinstitution namens Stammtisch schreit. Vor allem im Sommer, wenn im Garten fast so etwas wie Biergartenatmosphäre aufkommt. Aber Vorsicht: Gegenüber ist der ehemalige Friedhof Norderreihe. Von oben beobachten also eventuell ein paar evangelische Seelen mit kritischen Blick dieses beinahe katholische Vergnügen. Von daher: Vergelt’s Gott!

    Ideal für: gemütliches Abendessen, Runde mit Freunden

  • Ændrè

    Ændrè

    Es ist schon sauärgerlich. Allein dieses Æ. Eigentlich ja auch nur ein Ä das damals zu sehr auf der Erasmus-WG hängen geblieben ist. Und als wenn der Hyggeligkeit damit noch nicht genüge getan wäre, wird noch ein accent über das letzte e gemacht, hochgezogen wie die verächtliche Augenbraue die man abbekommt, wenn man frecherweise Kuhmilch bestellt. Kommt man dann zum ersten mal ins Ændrè, ist man sich auch nicht ganz sicher, ob man in einem Café ist oder im Flagshipstore für diese riesigen ACNE-Wollmützen. Es fühlt sich an als hätte man ganz Eppendorf und Hoheluft in einen Siebträger gestopft und sich einen starken Ristretto daraus gebrüht. Aber, das muss zur Verteidigung gesagt sein: einen sehr leckeren Ristretto. Denn der Café ist hier wirklich gut, egal mit welcher Art von Nicht-Milch, und die ganzen Bowls und Müslis mit so Drüberstreuquatsch wie selbstgemachten Tahin-Granola ebenfalls. Dass das jetzt alles so concious und local und hygge und cozy und instagramable ist, ist am Ende vielleicht auch einfach nur konsequent. Und außerdem: solange das Ændrè noch keinen drive-through für Bakfiets und G-Klassen hat, ist auf der Eppendorf-Skala ja auch noch durchaus Luft nach oben.

    Ideal für: Frauen, Eppendorfer und Hohelufter und alle die es gerne wären

  • Heemann

    Heemann

    Nach über einem Jahr Guide Pelzenstein möchte ich hier mal eine Nachricht an meine Fans richten: Ihr seid mir alle komplett egal. Ich hab den ganzen Quatsch nämlich eigentlich nur mit einer Zielgruppe im Kopf angefangen: mir selbst. Nachdem ich beruflich schon genug Dinge schreibe, über die Menschen drüberschauen und eine Meinung haben und die Meinung dann auch ärgerlicherweise kundtun ist Guide Pelzenstein von Pelzenstein für Pelzenstein and I, Mr. Pelzenstein, approve this message. Es ist der Versuch die Schere im Kopf mal so weit abzustumpfen, dass man sie einem Einjährigen nachts zum Schlafen mit ins Bett legen würde. Dass sich das irgendjemand sonst durchliest und mit einem Like in meine Richtung die Datenströme unnötig verstopft ist nur der icing on the cake eines Desserts, das ich am Ende vielleicht stehen lasse. Das Jubiläum des schäbigen Versuch, meine Lust zu futtern als Hobby zu deklarieren hab ich dann auch standesgemäß ohne euch alle im Heemann gefeiert. Und würde es mir wirklich am Herzen liegen, dass ihr alle gut essen geht, würde ich euch den Laden wärmstens empfehlen. Alleine dafür, dass sie ihre kleinen Portionen mit hanseatisch angehauchten Gerichten nicht “norddeutsche Tapas” nennen, würde ich den Betreibern schon das Bundesverdienstkreuz verleihen. Und jetzt schmeckt das ganze auch noch. Erbsenknödel mit Meerrettich-Soße, Sauerkirschgazpacho, Rotbarsch mit Süßkartoffelstampf – jedes Gericht hat ein überraschendes Element. Sogar der Ackerbohnen-Fenchelsalat – und ich hasse eigentlich Fenchel. Wenn einem andere Personen nicht so komplett egal sind wie mir geht man am besten mit mehreren Leuten hin, dann kann man noch mehr bestellen und alles durchprobieren (auch für Vegetarier und Veganer gibts Optionen). Und es gibt viel Philipp Kuhn, mit dem man anstoßen kann. Auf das letzte Jahr, auf die nächsten, auf die Dinnerpartner und auf all die, die sich den Quatsch hier durchlesen und an die man hoffentlich nie denken wird, wenn man das Ganze schreibt. Ach ja, und natürlich auf mich: die einzige Person, die hier wirklich zählt.

    Ideal für: Besuch von außerhalb ist da, Dinner zwischen leger und besonders

  • Hui Cookshop

    Hui Cookshop

    Neben nervigen Pro-Sieben-Taff-Beiträgen über 17jährige Tech-Bro-Millionäre mit mattschwarzem Lambo hat uns der Bitcoin und Cryptocurrencyhype noch eine andere Sache gebracht: Das wunderbare Wort “volatil”. Keine Angst, ihr braucht nicht zu googlen. “Volatil” bedeutet stark schwankend, schnellen Änderungen unterworfen. Heute rich, morgen bitch. Heute hui, morgen pfui. Und das gilt eben nicht nur für halbseidene Blockchainwährungen, sondern auch für asiatische Gastrokonzepte. In kurzen, heftigen Wellen wurden aus den Thais plötzlich überall vietnamesische Pho-Läden, und dann aus ebendiesen wieder japanische Ramenbars. Ein neuer Chinese hingegen fühlt sich ja fast nach alter BRD an, nach Helmut Kohl in der Bonner Republik, Rauchen im Flugzeug, Sony Walkman und Katja Riemann, Katalysator-Einführung und vierstelligen Postleitzahlen. Der Hui Cookshop hat aber zum Glück nicht so viel mit Schweinefleisch süß-sauer und Fünf Köstlichkeiten zu tun. Es gibt herrliche Enten-Dumplings mit einer Sauce so tief und dunkel, man könnte sie fast zum Saumagen im Kanzlerbungalow servieren. Und auch bei den Nudeln mit Schweinebauch sackt das Erlebnis nicht volatil nach unten ab, sondern bleibt auf hohem Niveau. Werden jetzt also aus allen Ramen-Läden bald Hongkonger-Streetfood Cookshops? Falls ja können wir alle mit dem Finger auf das Hui zeigen, die wären dann vermutlich Schuld daran.

    Ideal für: Weeknight Dinner, Mittagspause, Ramen-Überdruss

  • Green Papaya

    Green Papaya

    Gab es eigentlich in Deutschland Indianer? Ritten vor zweihundert Jahren Angehörige vom Stamme der Sioux oder der Apachen durch die Moorebenen Norddeutschlands und jagten dort mit Pfeil und Bogen Holsteiner Fleckvieh? Ist es vielleicht ein Ausweis historische Akkuratesse, dass die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg stattfinden? Vermutlich, oder sogar ganz sicher: nein. Wie kann es aber sonst sein, dass manche Lokale scheinbar auf einem verfluchten Indianerfriedhof gebaut wurden. Es gibt immer wieder diese Adressen bei denen das Umzugsunternehmen, wenn es alles aus dem Transporter geräumt hat, eigentlich gleich stehen bleiben kann, um alles wieder mitzunehmen, weil das Konzept schon nach fünf Minuten offensichtlich nicht zu funktionieren scheint. Die Osterstrasse 173 war genau so ein Ort: Südstaatenbar, undefinierbarer-Pizzaladen – man hat sich ja schon fast gewundert dass sich als nächstes nicht ein Bubble-Tea-Shop mit Tabletbestellung eingenistet hat. Den Kampf gegen den Fluch hat jetzt Green Papaya aufgenommen und scheinbar gewonnen, denn es wirkt nicht so als würden die Umzugswägen wie Geier um den Laden kreisen. Auch durchaus zurecht. Ich würde jetzt nicht den Planwagen spannen und den Oregon-Trail auf mich nehmen, um extra dort zu speisen, aber für eine (mit drei Läden ja fast schon) Kette ist das alles sehr solide, gerade die Gerichte mit Thai-Basilikum-Pesto kann man durchaus empfehlen. Noch dazu vor dem Hintergrund dass gerade was Thai-Essen angeht verdammt viel Schrott in Hamburg zu finden ist und das die letzten Jahre auch nicht gerade besser wurde. Eventuell auch einfach ein Fluch. Vielleicht gibt es ja auch eine unentdeckte Kreuzimmunität und asiatische Räucherstäbchen helfen gegen indigene Verwünschungen. Und bald gibt es dann hoffentlich die Karl-Muay-Festspiele.

    Ideal für: wenn man um die Ecke ist

  • Marta

    Marta

    Tomaten mit so nem Zeug drunter, so ne Art Mus, wie Hummus, aber irgendwie anders. Ein Eis ist auch dabei, aber kein Nachspeiseneis. Dann vermutlich ne Zucchini, auf jeden Fall ne Zucchini, einmal ein richtiger Brocken und dann einmal ganz dünn, mit so schwarzem Zeug drübergestreuselt. Krokant vermutlich, aus irgendwas was man auch noch durchschmeckt. Dann Saibling auf dem ein frittiertes Salatblatt liegt mit ner Hollandaise? Bernaise? Dazu ne Polenta, die aber nicht nach Polenta schmeckt und ne rote Limette, die man essen kann. Und n Zwetschgenküchlein mit Eis und … ist das das Mus vom Anfang? Ne, schmeckt anders.

    Man kann dem Marta nicht so richtig viel vorwerfen, aber vielleicht diese eine Sache: Das einem das (sehr sympathische) Personal beim servieren nicht so wirklich die Gerichte erklärt. Das wäre nicht so schlimm wenn Schnitzel mit Pommes aufgetischt werden würden, das bekommt man dann auch noch mit eigenen Augen und dem Synapsenhaufen, der einem zwischen den Ohren hängt, hin. Bei den durchaus raffinierten regionalen Gerichten die hier serviert werden fühlt man sich aber wenn man mit der Interpretation allein gelassen wird dann doch recht schnell wie in einem Escape Room. Irgendwann hat man dann herausgefunden, dass man das eine Buch aus dem Regal herausziehen muss, der Schlüssel unter dem Waschbecken klebt, der Hummus eigentlich ein Sonnenblumenkernenmus war, das Krokant aus Sesam und der Gärtner natürlich der Mörder. Am Ende freut man sich über ein außergewöhnliches Menü (auch wenn manche Gerichte vielleicht ein Element zu viel haben), die warme Atmosphäre des ganzen Ladens – und darüber, dass auf Weinen Etiketten kleben. Das macht es für uns alle einfacher.

    Ideal für: lockeres Fine Dining

  • Café Mexico

    Café Mexico

    1.436.300.000.000. Nur in 2020. Das Selfie deiner Mutter, der dicke Nackte mit den Wildschweinen, ein paar Millionen allein schon nur von Caro Daur und eben noch 1,4 Trillionen andere Fotos werden dieses Jahr geschossen. Jeder Gebrauchtwagen, jedes Tinderprofil, jede Hotelbuchungsseite ohne Bilder würde einen zurecht skeptisch stimmen. Nur ein Ort stemmt sich Berghainesk gegen die Durchfotoisierung des Abend- und Morgenlandes: die Speisekarte. Warum eigentlich? Will man sich die Überraschung beim Servieren nicht versauen? Oder ist es eine Art von Selbstschutz vor zu viel Offenheit, so wie man auch genau weiß dass man in den meisten Restaurants besser nicht in die Küche schaut? Oder sind bebilderte Speisekarten einfach untrennbar mit McDonalds verbunden. Ganz so schlimm ist es im Café Mexico zum Glück nicht, die normalen Tacos sind durchaus solide und lecker, nur die Vorspeisen wie Kaktussalat und wie mir berichtet wurde auch ein paar der anderen Hauptgerichte halten nicht, was die Bilder bereits nicht versprechen. Die weitgehend unbebilderte Tequila und Mezcal-Karte dagegen kann sich durchaus sehen lassen. Oder eben nicht sehen lassen, weil ja unbebildert. Also liebes Café Mexico, überlass das mit den schlechten Fotos lieber mir, Jumbo Schreiner weiß wovon ich rede.

    Ideal für: wenn man in der Nähe ist und für Tacos nicht nach St. Pauli will

  • Ristorante Palazzo

    Ristorante Palazzo

    „Verpiss dich, Watussnik, sonst schlag‘ ich dich mit der Champagnerflasche tot!“ erklingt in meinem Kopf, gesprochen von der jungen Veronica Ferres, damals, als sie noch nicht an der Seite von moralisch-fragwürdigen Finanzmagnaten verweilte, sondern nur an der Seite von moralisch-fragwürdigen Filmmagnaten. Dann wieder ein französisch angehauchtes “Ühu, Jean-Luc hat so schön gepflanzt die Cypress.” oder “Film … Film ist Krieg” vom in der Toilette halb verblutenden Heiner Lauterbach. Die rote Inneneinrichtung, die schwarz verfliesten Waschräume, die laute Atmosphäre, diese Harvesterhuder Schwabinghaftigkeit, das Geld, der Habitus und das Botox der Gäste – all das wirkt wie eine Neuinszenierung von Helmut Dietls Klassiker “Rossini”. Und genauso wie es in “Rossini” nie wirklich über das gleichnamige Restaurant geht, geht es hier auch nicht ums Essen. Carpaccio ist keine Geschmacksbombe, Trüffel-Pasta etwas zu subschig. Drauf geschissen, ich liebe alles an dem Laden. Noch ein paar Besuche und ich machs wie Uhu Zigeuner und lass mir meine Post direkt ins Palazzo schicken. Paolo, wir brauchen neue Gläser!

    Ideal für: Fans von lauter, lebhafter Atmosphäre,