Kategorie: Asiatisch

  • Ai Bánh Mì

    Ai Bánh Mì

    Wraps sind Burritos, bei denen man sich keine Mühe gegeben hat.

    Überhaupt: werden irgendwo zu leichtfertig Oberbegriffe benutzt, dann Obacht!
    Ein Drehspieß ist meistens kein Döner.
    Ein Top-10 Hit ist meistens nicht die Nummer eins der Charts.
    Ein Laugengebäck ist höchst selten eine Breze.
    Und deswegen ist ein Bánh Mì auch nicht einfach ein Sandwich.

    Sandwich, das ist meistens Turbohefebrötchen mit Formschinken und Remoulade. Sandwich, das ist 6-Euro Raststätten-Müll, bei dem selbst der Sanifair-Bon mehr Nährwert hat. Sandwich, das ist Studenten-WG und 13 Semester nicht mehr gereinigter Presstoaster mit auf Diamanthärte eingebrannten Ablagerungen von Schmelzkäsescheiben.

    Sandwiches sind ein Synonym für Convenience geworden. Und eigentlich ist Convenience ja nichts Schlimmes. Im Endeffekt ist jede Art von Essen gehen Convenience, auch Sterneküche, weil es ja immer bequemer ist, wenn das einer für einen macht, als wenn man das alles selbst kochen müsste. Problematisch wird Convenience ja nur, wenn der Hersteller sichs bequem macht, immer nur das Schnellste, das Billigste, das Einfachste nimmt. Und genau das wird bei Bánh Mì eben nicht gemacht – und zum Glück macht das auch Ai Bánh Mì nicht.

    Es wird halt nicht irgendein Billo-Baguette genommen, sondern ein eigenes Brot aus Weizen und Reismehl, dass die perfekte Kombination aus leicht knusprig und doch fluffy und squishy ist. Es wird eben nicht mit Butter oder der noch billigeren Variante Industrie-Remoulade bestrichen, sondern mit Leberpaté. Es wird nicht eine Scheibe der billigsten Hollandtomate draufgelegt, sondern eingelegtes Gemüse, das erstmal ein bisschen Zeit braucht. Und es wird auch nicht mit irgendeinem kalten Aufschnitt aus der Großmarktverpackung belegt, sondern mit gegrilltem Schwein, Hähnchen oder Tofu, die auch als Hauptgericht auf einem Teller hätten landen können.

    Ein Bánh Mì ist ein Sandwich, aber ein Sandwich, bei dem man sich Mühe gegeben hat.

    Ideal für: Take-Away (auch wenn das mit Parken bei der Steinstrasse echt nicht leichter geworden ist)

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  • Chingu

    Chingu

    “Weg, alles weg! Und keine einzige Spur.”

    “Es ist der perfekte Coup.”

    Frank ist schon seit 25 Jahren im Polizeikommissariat 14. Er hat schon alles gesehen. Die spektakulär lauten Dinge, Maikrawalle, G20, Geldautomatensprenger. Aber eben auch sehr viele spektakulär leise Dinge: Einbrüche, Ausbrüche und ja, zuletzt auch immer mehr Cyberkriminalität. Eines hatten alle Sachen gemeinsam: es gab immer irgendeine Spur. Auch wenn sie oft zu nichts führte. Eine der vielen Sachen, die sein junger Kollege Carl erst noch lernen musste. Zusammen mit: am Tatort nicht dumme Fragen stellen, wie als wäre man in einer schlechten Adaption von Notruf Hafenkante. “Habt ihr schon Fingerabdrücke gesucht?” fragte er die Spurensicherung im komplett leer geräumten Bucherer am Jungfernstieg. Das ist ungefähr so, als würde man das Meer fragen, ob es schon nass ist. Zu Franks Verwunderung bekamen sie eine Antwort, die kein hämisches Gelächter war: “Fingerabdrücke ja, aber unleserlich. Alles ist überzogen mit einer klebrigen Substanz.” Franks Nase musste sich der Substanz gar nicht so weit nähern, er erkennt den Geruch sofort: “Honey Butter! Dieser verdammte Pelzenstein!”

    Während sie mit Blaulicht Richtung Eimsbüttel fahren, verlässt gerade ein Gulfstream G650 den Luftraum über der Bretagne in Richtung Südwesten. An Bord: zwei Piloten, die keine Fragen stellen, ein süßlich-fettiger Geruch, der von der Kabine langsam ins Cockpit wabert, ein leidlich bekannter Foodblogger und ein Bucket voll mit einem der besten Koren Fried Chicken Hamburgs – bezahlt mit einer Audemars Piguet. Und, versteckt unter der Zunge eines linken Schuhs, ein kleiner Zettel mit einer Adresse in einem südamerikanischen Land, das nicht ausliefert.

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    Ideal für: die letzten Chicken Wings vor der Flucht

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  • Jing Jing

    Jing Jing

    Also jetzt nach 3 Jahren und über 170 Restaurantbesuchen kann man ja auch wirklich mal die kritische Frage stellen: Was weiß denn ich? Denn wie jeder gute Kreative überfällt auch mich in regelmäßigen Abständen dieses familiäre Gefühl, dass ich doch eigentlich gar keine Ahnung von dem Ganzen habe und bald jemand kommt und mich auffliegen lässt. “Wo ist denn eigentlich ihr Gastronomie-Abschluss? Ihr staatlich geprüfter Kritiker-Meisterbrief? Oder zumindest ihr Jodeldiplom? Sie können das hier doch gar nicht, Sie dürfen das hier doch gar nicht. Legen Sie die Schachtelsätze weg und nehmen Sie die Hände auf den Rücken!” Wenn ich jetzt zum Beispiel sage, dass das Massaman Curry im Jing Jing etwas zu süß war, woher will ich das bitte wissen? Hab ich jemals ein richtiges Massaman gegessen? War das, was ich bisher als Massman hatte, wirklich Massaman Curry? Ich bin ja kein thailändischer König, auch wenn ich viel Zeit meines Lebens schlecht benehmend in Bayern verbracht habe. Und vor allem: wenn alle anderen Gerichte, das cremige Larb-Tatar, der erfrischend saure Schweinefleisch-Salat, das bombastisch gewürzte Pad Krapao Gai, wenn die alle so unfassbar intensiv sind wie eine nächtliche TukTuk-Fahrt nach 13 Chang Bieren – dann muss ich sagen: vielleicht muss Massaman ja genau so sein. Und vielleicht hatte Jumbo Schreiner recht: ich kann das alles in Wirklichkeit gar nicht. 

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    Ideal für: Start ins Wochenende

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  • Kkokki loves vegan

    Kkokki loves vegan

    Kkokki loves vegan. Na das ist ja schön für Kkokki aber was ist mit mir? Und allen anderen? Man hat ja wohl kaum so einen riesigen Laden gebaut, damit Kkokki glücklich ist. “Ja hallo liebe Sparkasse, ich brauche einen Kredit für ein koreanisches Restaurant, Zielgruppe ist eine Person, vielleicht noch ein bisschen Laufkundschaft, zahle dann auch in 200 Jahren zurück.”  Oder braucht man heutzutage eine erklärende Unterzeile? Kkokki loves vegan, XO mag Fisch, Vienna schön eng, Nikkei Nine vielleicht triffst du Sylvie Meis. “Loves vegan“, das ist ja eigentlich, wenn man nachdenkt, grundsätzlich schon mal quatsch, genauso wie “ich esse gerne asiatisch”. Wer sagt denn, dass was gut ist, nur weil es vegan ist? (Oder asiatisch?) Ich hab mal bei einem Konzert Backstage eine fürchterlich geschmacklose Pasta gegessen, liebt Kkokki die jetzt auch, weil sie vegan war? Ich zweifle daran. Also Kkokki, wer bist du? Was magst du? Warum die vielen Ks? Ist die Liebe zum Veganismus eine dieser Hollywoodlieben, geprägt von Glücksmomenten wie von Erschütterungen oder ist sie eher zu vergleichen mit der relativ unimpulsiven Liebe zu einem Haustier? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eins, oder vermute es zumindest: Kkokki loves Korean Fried Chicken. Aber Kkokki loves eben auch Chicken, und zwar so sehr dass sie möchte dass diese noch weiter leben. Das vegane Korean Fried Chicken hier schafft diesen vermeintlichen Spagat tatsächlich ziemlich gut, aus Tofu noch ein wenig mehr als aus Blumenkohl. Die Hühnchenkonsistenz überzeugt allerdings noch etwas mehr als der Hühnchengeschmack. Trotzdem eine ziemlich gute Alternative zu “echtem” Fried Chicken, vor allem wenn man bedenkt dass vermutlich 99,9% aller Fried Chicken aus Fleisch aus der Haltungsform “Vorhölle” besteht. Von daher: Guide Pelzenstein likes Kkokki. Auch wenn sie sich ein bisschen mehr Zeit beim servieren lassen könnten. Aber wer weiß, vielleicht war ja Kkokki schon unterwegs und hat den Platz gebraucht.

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    Ideal für: Fried Chicken Bisse ohne Gewissensbisse

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  • Batu Noodle Society

    Batu Noodle Society

    Erdbeeren sind ja keine Beeren, sondern zählen botanisch zu den Nüssen. Nüsse sind oft keine Nüsse, sondern auch gerne irgendwas anderes. Erdnüsse zum Beispiel sind eigentlich Hülsenfrüchte. Bohnen sind Hülsenfrüchte, aber weder die Kaffe- noch die Kakaobohne sind wiederum Bohnen, dafür aber Früchte. Bananen und Tomaten sind Früchte, aber auch Beeren. Der Biber wurde im Mittelalter mal zwischenzeitlich zum Fisch erklärt, das lag aber eher an hungrigen Mönchen in der Fastenzeit als an übergenauen Naturforschern. (Verglichen mit anderen Dingen, die die katholische Kirche im Mittelalter so umerklärt hat auch mit durchaus harmlosen Konsequenzen). Ach ja, Pfeffer ist übrigens eine Frucht, der Szechuanpfeffer ist zwar auch eine Frucht aber kein Pfeffer. Der Mensch macht sichs halt einfach, aber nicht alles was scharf ist ist Pfeffer, Messer oder Wirtschaftssanktionen mal als Beispiel genannt. Dafür dass Szechuanpfeffer kein Pfeffer ist, ist er wenigstens ein Trend. Kein Wunder, in eine Zeit, in der man besagte Zeit gerne auch einfach mal übersprungen hätte und nicht selten so manches Säugetier um seinen Winterschlaf beneidet hat, passt ja auch ein betäubendes Gewürz wie Faust auf Zunge.

    Dass es in den Gerichten im batu sehr viel davon gibt, ist somit erstmal very contemporary und auch sehr lecker. Gut wäre nur wenn man der vielen betäubenden Schärfe noch etwas mehr Nudeln beigeben würde. Und Apropos taub: die location, der ehemalige 13. Stock, der vorher schon das Kapara beheimatet hat, ist für mich immer noch eigentlich ein Club und kein Restaurant. Trotz des guten Ausblicks immer etwas zu laut. Aber vielleicht hatte ich auch nur Szechuan in den Ohren.

    Ideal für: sich taube futtern

  • Kim’s Kitchen

    Kim’s Kitchen

    Designermöbel sind ein Scam. Niemand fühlt sich wirklich wohl zwischen ihnen. Man stellt sie sich in die Wohnung, weil man gerne der Mensch wäre, der sich in so einem Vitra-Museum zu Hause fühlt, eine Art Design Möbel-Über-Ich. Der vollkommene Wohnmensch, Archetyp-Architectural Digest, dessen einzige Unvollkommenheit das bewusst leicht schief liegende Coffee Table Book ist. Geht mal in Kim’s Kitchen und stellt euch vor, hier würde alles voller USM Haller und Eames stehen. Keiner würde sagen: “Toll, hier fühlt es sich ja an wie als würde man bei Kim im Wohnzimmer sitzen.” So aber, mit den zusammengewürfelten Bänken und Tischen, den überall verstreuten Sitzkissen in Musterkombis über die glücklicherweise nie ein Interior-Designer nachgedacht hat, mit all den Krimskrams, den Leuchtreklamen und Girlanden und nicht zuletzt dank Kim fühlt man sich hier nicht wie in einem Imbiss oder Restaurant, sondern wie in einer kleinen, privaten Einzimmerwohnung. Kim kocht laotisch, und während es nur ein paar Meter entfernt dampft und zischt, unterhält sie sich mit den Gästen und erzählt, dass es keinen Favoriten auf der Karte gibt, sondern dass alle ihre Gerichte ihre Lieblingsgerichte sind. Na gut, wenn sie das nicht machen möchte, mache ich das eben. Die Vorspeise, Reisnudeln mit gehackten Lachs und einer tiefen Sauce aus Kokosmilch konnte schon sehr überzeugen, genauso wie die in der Pfanne geschwenkten Weizennudeln. Der wahre Knaller aber war das Larb, das laotische Nationalgericht (das manche schon mal als Laab beim Thai hatten). Ein lauwarmer Salat aus Rindfleisch (in Scheiben statt wie beim Thai oft als Hack), drei verschiedenen Arten von Zwiebeln, Galgant, Zitronengras, Kräuter, zwei Arten Chilis, Limette und Fischsauce ergeben eine Umami-Scharf-Salzig-Würzig-Sauer Aromenbombe, bei der alle Geschmacksknospen aus dem Winterschlaf gerissen werden, als wäre im Körper Notfallsirenentesttag. 

    Ich werde bestimmt wiederkommen. Weil ich mindestens die anderen vier Larb probieren möchte, weil ich die herzliche Atmosphäre in Kims Wohnzimmer so mochte – und wegen des unschlagbaren Angebots mit den Plastikuhren im Schaufenster, jede für nur 7 Euro!

    Ideal für: Private Dining Feeling

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  • Bistro Hoàng Mai

    Bistro Hoàng Mai

    Ja, ich hab mir das alles auch anders vorgestellt. Ich dachte ehrlich gesagt dass ich spätestens bei meinem 100 Posts eigentlich nur noch in Wohnberechtigungsscheinfreien Stadtvierteln verkehre und bei meiner Ankunft in brokatbehangenen Sternerestaurants ungefragt schwere Teppiche und schwere Rotweine vor mir ausgebreitet werden. Dass ich “natürlich haben wir für Sie heute Abend noch einen Tisch frei” viel häufiger höre als “es gab wohl ein Problem mit Ihrer Kreditkarte”. Dass mein Lifestyle einfach insgesamt mehr Bill Gates als Billstedt ist. Falsch gedacht. Und wer ist dran Schuld? Na ihr. Weil die Posts die hier am besten gehen sind eben die von irgendwelchen Kaschemmen, die von außen eher aussehen wie n Handyshop als wie n Restaurant. Beziehungsweise was heißt hier “eher”? Um das Bistro Hoàng Mai momentan zu finden, muss man erstmal durch den gleichnamigen Asia Shop und dann den kleinen Durchgang suchen, hinter dem sich das Restaurant versteckt. Aber: Es lohnt sich. Die Pho Bo ist wirklich richtig, richtig gut, intensiv im Geschmack ohne den Fertigsuppenflavour, den man oft bei anderen Vietnamesen schmeckt. Und außerdem gibt es als Einlage hier nicht nur Rindfleisch sondern originalgetreu auch die Fleischbällchen, die sich kein Pho-Laden in den gentrifizierten Stadtteilen traut in seine Suppe zu machen, weil jeder Dulli dort denkt dass Filet das einzige Stück vom Tier ist, das nicht giftig ist. 

    Ich habs mal wieder getan. Ich bin mal wieder da hingegangen wo sich andere nicht hintrauen, all das nur für euch, die Likes und den Fame. Und wenn Jenfeld bald auch mal was von der Öffnung der Außengastro mitbekommen hat und das Hoàng Mai ein paar Stühle rausstellt werd ich wiederkommen, denn wenn schon die Pho so gut ist interessieren mich die restlichen Gerichte auch. Und wenn man mal ehrlich ist: so neben dem Brutalismus-Schlachtschiff namens Einkaufszentrum Jenfeld und der Nachbarschaft, in denen ausgestopfte Hosen als Blumenbeete dienen und ausgeblichene Deutschlandfahnen auf Betonbalkonen wehen, da wirkt das Bistro fast schon wie ein architektonisches Kleinod.

    Ideal für: kulinarische Ausflüge 

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  • Thai Gourmet Imbiss

    Thai Gourmet Imbiss

    Es gibt eine relativ einfache Regel: Wenn irgendwo “best xy in town” steht, kann man mit an absoluter Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es in besagter Lokalität nicht das “best xy in town” gibt. Denn in der Gastrobranche ist Selbstbeweihräucherung noch mehr Gang und Gäbe als in christlichen Kirchen – aber eben: selten bei denen, bei denen es eigentlich stimmt. Ich wage es zu bezweifeln, dass statt “The Table” “Kevin Fehling’s leckere Molekularbude” zur Namensauswahl stand oder dass man sich überlegt hat, ob man dem Tantris damals ein “köstlicher wirds nicht” als Unterzeile verpasst. Die alte PR-Weisheit gilt auch hier: es ist besser, wenn andere sagen wie toll man ist, als wenn man selber sagen muss, wie toll man doch sei. Muss man sich also Sorgen machen, wenn ein Imbiss sich ein Binnen- “Gourmet” in den Namen setzt? Ist “Gourmet-Imbiss” nicht eigentlich überall außerhalb von Sylt ein Oxymoron (Hoffe ihr müsst das jetzt nicht alle googeln)? Ja und ja. Denn dieser kleine Laden mit seinen bunten Leuchtgirlanden und der Küche, die quasi zwei Drittel der Fläche einnimmt, ist auf den ersten Blick von der Fine Dining-weißes Tischtuch-soll ich Ihnen den Bentley parken?-Welt durchaus etwas entfernt. Aber er bietet eben auch wirklich sehr, sehr gute Thai-Gerichte. Vom Basilikum Chili bis zum Massaman Curry über die Wan-Tans, bei denen man sich wirklich fragt wieso die vegane Variante so gut nach Garnele schmeckt und eine Ente, die man so perfekt und noch rosa ganz selten bekommt ist das alles auf Thai-Niveau, nach dem man sonst lange sucht. Und das nicht nur weil in den letzten 10 Jahren jeder zweite Thailänder zu einem Vietnamesen wurde. Insofern gibt es von mir hier, als unabhängige dritte Stelle, die PR-trächtige Aussage: das “Gourmet” in Thai-Gourmet-Imbiss find ich immer noch irgendwie bescheuert, aber es ist rein kulinarisch durchaus gerechtfertigt. 

    Ideal für: Stromkastendinner am Kaiser-Friedrich-Ufer

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  • Boba 102

    Boba 102

    Cathy Hummels hat mal gesagt “Mein Körper war verdammt harte Arbeit”. Das gilt für mich auch. All die Zusatzkilos auf den Hüften, das ist auch nicht immer Spaß und Leichtigkeit. Ihr denkt alle “Foodblogger, die reisen ständig herum, gehen nur in Sternerestaurants umsonst essen und bekommen ständig geile Sachen geschenkt.” Aber nicht hier. Denn Guide Pelzenstein geht auch dahin wo es wehtut. Dahin, wo sich die Glitzerwelt-Blogger nicht hintrauen. Ich bin der Günter Wallraff der Kulinarik. Der Navy Seal unter den Gastro-Kritikern. Die Ein-Mann-Spezialitäten-Spezialeinheit. Immer undercover und immer bereit zu- und nachzuschlagen. Derjenige, der keine Angst vor den weltweiten Krisenküchenherden hat. Derjenige, der sich traut, in einem Nagelstudio Banh Mi zu bestellen. Ew. Einerseits weil ich ein unerschrockener Pionier bin. Und andererseits weil ich Banh Mi wirklich gerne mag und nicht so ganz verstehe, warum die tausend Vietnamesen in Hamburg eines der besten To Go-Essen der Welt einfach nicht anbieten. Das Banh Mi von Boba 102 ist nicht das geilste der Welt, aber enttäuscht auch nicht. Brot ist soweit gut, das Gemüse ist nicht zu lange eingelegt gewesen, Fleisch und Sauce auch okay. Man bekommt bestimmt noch jedes einzelne Element ein bisschen geiler und fancier hin. Aber warum sollten sie auch, macht ihnen ja keiner Konkurrenz. Und dafür, dass das ganze Teil am Ende dann doch einfach immer noch normalerweise ein Nagelstudio ist, passt schon. Meine Mission hier war jedoch noch nicht beendet. Für euch fürchte ich weder Tod noch Teufel und gehe bis ans äußerste – also noch einen Maracuja-Kiwi-Bubble Tea dazu. Mein Gesicht dazu seht ihr beim swipe nach rechts. Wie sagen die Navy Seals: The only easy day was yesterday.

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    Ideal für: to go im Sommer

  • Asia Imbiss

    Asia Imbiss

    Asia Imbiss. Da ist sie schon. Die erste “Red Flag”. Einem Laden den allgemeinsten und schmucklosesten Namen zu geben, den man sich vorstellen kann, ist entweder extrem Hipster (siehe die Bäckerei @bread.hamburg) oder eben extrem besorgniserregend. Ich bin mir ziemlich sicher dass es beim Asia Imbiss mit Hipstertum nichts zu tun hat. Oder es passiert auf einem derartigen Metalevel, dass nicht mal mehr ich es kapiere. In der Mode nannte man das mal Normcore. Die zweite “Red Flag”: die Außenbeklebung. Wobei hier so viele rote Fahnen versteckt sind, dass eine chinesischen Militärparade neidisch sein würde. “Spezialitäten aus Korea, China und Thailand” ist ja so ein Bandbreiteversprechen dass ähnliche Abwehrreaktionen hervorruft wie “das Beste aus den 80ern, 90ern und von heute”. Die Graffitis, naja, inzwischen sieht ja der Unterarm jedes zweiten Großstadtbewohners so krakelig aus, daher sehen wir da mal drüber hinweg und kommen direkt zum größten Warnsignal: die “Lycamobile”-Banderole. Die ist zwar quasi das dekorative Einstecktuch eines jeden Kioskschaufensters, wirkt aber an einem Restaurant dann doch so vertrauenswürdig wie ein Western Union-Schalter. Schafft man es doch vorbei am roten Flaggenmeer, begegnet einen zwar ein Interior, dass man weder in der Architectural Digest noch im Feed von @carodaur wiedersehen wird, beim Blick in die offene Küche lässt das Unbehagen aber langsam nach. Irgendwie sieht das so aus als könnten die das. Und mit “das” ist vor allem das, wie mir von einem Informanten zugetragen wurde, Korean Fried Chicken gemeint. Um die Kuriosität konstant zu halten wird es natürlich in einem mit einem italienischen Fischerdorf verzierten Pizzakarton überreicht. Und was soll man sagen: zum Glück hat man nicht auf sich selbst gehört, denn man wurde mit einem großartigen Fried Chicken belohnt, immer noch kross aber schon leicht durchgeweicht von der Sweet Chilli Sauce. Also, öfter mal in den zweifelhaften Laden. Öfter mal sich nicht vom Lyca Mobile Aufkleber abschrecken lassen. Glaub das meinte mein Personal Trainer als er sagte dass ich mal mehr aus meiner “Comfort Zone” raus muss.

    Ideal für: Abholen, Abend mit Freunden und teilen.

  • Rohhäppchen

    Rohhäppchen

    Sandra hatte es nicht leicht. Allein schon weil sie nicht Sandra hieß. Denn Sandra war eigentlich Annabelle Valeria Shaniqua von Hohenzollern. Aber so glanzvoll ihr Name auch war, so eine Bürde war er auch. Vor allem auf Tinder. Anfangs waren die Boys ja noch angetan vom Glamour, von Ländereien und Jagdrevieren. Aber sobald sie ihnen erklären musste, dass ein “Family Office” kein Gästezimmer mit Schreibtisch ist und eine Centurion aus Amerika und nicht aus dem alten Rom kommt, ja spätestens dann war auch der letzte Jurastudent eingeschüchtert. Dabei wollte sie einfach nur einen ganz normalen Typen kennenlernen, einen der sie so mag wie sie ist. Und vor allem einen mit dem sie nicht näher verwandt ist. Die Operation ihrer Habsburger Lippe war schon aufwendig genug, das wollte sie ihren Kindern nicht auch noch antun. Also Sandra. Ihre neue Identität: Urlaub in Cesenatico statt Yacht vor Marbella. Studium in Bremerhaven statt Ludwigshafen. Sie kannte ihre neues Ich auswendig. Besonders jetzt, wo der süße Thorbjörn zum dritten Date kam. Er war zwar schon verwundert, warum sie Sushi bestellt hatte, aber glücklicherweise erfand sie noch schnell die Notlüge mit dem Geburtstagsgutschein. Alles lief gut. Sie schauten 3sat und unterhielten sich sogar über Themen wie Miete, Dispo und Monatsende, Dinge die sie sich in den letzten Tagen erst mit Wikipedia anlesen musste. Doch dann nahm sie ein Stück der California Roll mit Thunfischtatar, Miso-Majo und einem enorm großen Stück Trüffel in den Mund. Sie schloss die Augen, kaute genüsslich und dann entfuhr es laut nicht der Sandra, sondern der Annabelle Valeria ihn ihr: “Oh mein Gott, das schmeckt ja wie damals bei Oma!”

    Thorbjörn schaute leicht verstört, ließ sich aber erstmal nichts weiter anmerken. Doch so langsam verstand er warum ihre Hermes Pakete orange und nicht blau sind. Nach ein bisschen Heavy Petting verabschiedete er sich und begann den unausweichlichen Whatsapp-Ghosting-Prozess.

    Another one bites the dust. Sandra oder Annabelle Valeria nahm ihr iPhone Vertue Edition und machte weiter wie immer. Swipe right, swipe right …

    Ideal für: Sandra, Valeria, Thorbjörn und alle die gerne gutes California-Style Sushi mögen

  • Dokuwa

    Dokuwa

    Du! Ja, genau du! Jetzt hör mal kurz zu. Das wird jetzt n bisschen direkt und eventuell etwas schockierend, aber irgendjemand muss es ja mal sagen: soooo wichtig bist du jetzt auch nicht. Jaja, der Kunde ist König dies das. Aber Kunden sind halt auch oft echt saunervig. Wollen ein lauwarmes Wasser ohne Sprudel an dem sie dann zwei Stunden nippen, nehmen nen dreckigen Hund mit rein, hängen den Mantel über den Stuhl sodass die Bedienung ständig drüber fällt. Dann schreiben sie ganze Hasstiradenromane auf Yelp oder Google Maps wenn die Creme Brulée angebrannt war oder das Salz zu trocken. Ja Jens, wir wissen dass du null Sterne vergeben würdest wenn es auf dieser Bewertungsplattform gehen würde, verschone uns bitte mit deinem Rumgeboomere. Und wenn sie dann was da lassen, dann auch eher Viren und Bakterien als angemessenes Trinkgeld. Daher: Vielleicht ist das ja ganz schlau vom Dokuwa, gerade jetzt, dass sie nur einen sehr kleinen Gastraum haben. Hol dir einen ausgezeichneten Kaffee, eine Bentobox und dann schleich di! Die Bentoboxen gibt es jeden Tag in zwei unterschiedliche Variationen, eine mit und eine ohne Fleisch und sie sind nicht nur außerordentlich lecker sondern eh das perfekte Abhol- und Mitnehmessen. Also Kunde, wenn du König sein willst dann sitze nicht bräsig auf Stühlen, die keine Throne sind, sondern nimm dir was mit und flaniere. Standesgemäß. Und immer mal wieder dem Volk winken.

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    Ideal für: Mittagspause

  • Ume no Hana

    Ume no Hana

    Was haben Schuhe und Schlüssel eigentlich gemeinsam? Hat man früher einfach Türen mit dem Fuß aufgetreten und durch viele Innovationen und konstante Weiterentwicklung hat sich daraus der praktischere Türöffner “Schlüssel” entwickelt? Oder wurden frühe Schlüssel einfach auch aus Leder hergestellt, bis einem klar wurde, dass man damit nicht das Auto des untreuen Ehemanns zerkratzen kann? Irgendeinen triftigen Grund muss es doch geben, warum Schlüsseldienste und Schuhereparaturen immer von denselben Läden angeboten werden. Und vor allem: warum das ein Erfolgsmodell zu sein scheint. Man weiß ja aus der Gastro zur Genüge: Wenn jemand zwei oder mehr komplett unterschiedliche Dinge anbietet, wirds selten geil. Und selbst wenn die beiden Dinge gar nicht mal so weit auseinanderliegen (naja, 3800 km), am Ende sind vietnamesische Pho und japanische Ramen ja beides Nudelsuppen. Und was sie auch gemeinsam haben: im Ume no Hama sind beide so okay. Ähnlich wie die Vorspeisen. Kann man machen, muss man aber nicht. Haut keinen um, genauso wenig wie keinen mehr die komplett absurde Kombination von Schuh- und Schlüsseldienst umhaut.

    Ideal für: Paare und Gruppen die sich nicht zwischen Ramenbar und Vietnamese entscheiden können