Autor: Fabian Königer

  • Slim Jims

    Slim Jims

    Es ist mir ja eigentlich egal. Aber eigentlich heißt es Guide. Französisch ausgesprochen. Wie “Gied”. [ɡid]. Nicht Guide. [ɡaɪ̯d]. Wie der Survival Guide. Oder der Tourist Guide. Wenn ich irgendwo mit nem Regenschirm rumstehe dann nicht um irgendwelchen Erikas aus Kassel den Kiez zu zeigen, sondern weil ich mal wieder bei Sauwetter an nem Stromkasten was futtere. Guide Pelzenstein. Wie der Guide Michelin. Im Gegensatz zu denen mach ich zwar keine Reifen, höchstens unreife Witze – aber n bisschen ist der Restaurantführer mit dem dicken Männchen eben schon Inspiration für diesen Instagram-Restaurantführer mit dem anderen dicken Männchen (Lockdown hit me hard). Auch weil die Bewertung schlau ist: 1 Stern ist einen Stop wert, 2 Sterne ist einen Umweg wert, 3 Sterne ist eine Reise wert. 

    Das Slim Jim gibts zwar noch nicht so lange wie den Guide Michelin aber immerhin schon seit 2009 und das war ne Zeit in dem sich noch nicht so richtig viele Läden Gedanken über Pizza gemacht haben und in der es noch keine Hefejunkies gab, die 72 Stunden cold fermenten und Hydrations-Ratios im Schlaf runterbeten können. Als große Innovation galt vielleicht Käse im Rand und “neapolitanisch” hielten die meisten für eine Verfahrensweise, wie man unliebsame Konkurrenten verschwinden lassen konnte. Und da fing Slim Jim mit den namensgebenden, sehr dünnen Pizzen an. Denn dünne Pizzen waren damals noch ein Qualitätsmerkmal. Und jetzt, nachdem man nach einiger Zeit mal da wieder da war? Bei ner dünnen Pizza kann man jetzt natürlich nicht wie so ein Mehlsommelier dastehen und über die Nuancen des Teigs fachsimpeln. Und die Tomate war vielleicht nicht ganz so geschmacksintensiv. Aber meine Lieblingscombo von vor 10 Jahren, Salsiccia und Zwiebeln, ist dann doch immer noch ziemlich gut. Und auch wenn ich jetzt nicht 3-Sternemäßig durch die ganze Stadt reisen würde, um ne Slim Jim Pizza zu essen, so kann man 1- oder 2-Sternemäßig gerade in der gastromäßig gar nicht so reich beschenkten Schanze durchaus nen Stop oder nen Umweg einlegen. 

    Ideal für: einen Stop oder einen Umweg

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  • Thai Gourmet Imbiss

    Thai Gourmet Imbiss

    Es gibt eine relativ einfache Regel: Wenn irgendwo “best xy in town” steht, kann man mit an absoluter Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es in besagter Lokalität nicht das “best xy in town” gibt. Denn in der Gastrobranche ist Selbstbeweihräucherung noch mehr Gang und Gäbe als in christlichen Kirchen – aber eben: selten bei denen, bei denen es eigentlich stimmt. Ich wage es zu bezweifeln, dass statt “The Table” “Kevin Fehling’s leckere Molekularbude” zur Namensauswahl stand oder dass man sich überlegt hat, ob man dem Tantris damals ein “köstlicher wirds nicht” als Unterzeile verpasst. Die alte PR-Weisheit gilt auch hier: es ist besser, wenn andere sagen wie toll man ist, als wenn man selber sagen muss, wie toll man doch sei. Muss man sich also Sorgen machen, wenn ein Imbiss sich ein Binnen- “Gourmet” in den Namen setzt? Ist “Gourmet-Imbiss” nicht eigentlich überall außerhalb von Sylt ein Oxymoron (Hoffe ihr müsst das jetzt nicht alle googeln)? Ja und ja. Denn dieser kleine Laden mit seinen bunten Leuchtgirlanden und der Küche, die quasi zwei Drittel der Fläche einnimmt, ist auf den ersten Blick von der Fine Dining-weißes Tischtuch-soll ich Ihnen den Bentley parken?-Welt durchaus etwas entfernt. Aber er bietet eben auch wirklich sehr, sehr gute Thai-Gerichte. Vom Basilikum Chili bis zum Massaman Curry über die Wan-Tans, bei denen man sich wirklich fragt wieso die vegane Variante so gut nach Garnele schmeckt und eine Ente, die man so perfekt und noch rosa ganz selten bekommt ist das alles auf Thai-Niveau, nach dem man sonst lange sucht. Und das nicht nur weil in den letzten 10 Jahren jeder zweite Thailänder zu einem Vietnamesen wurde. Insofern gibt es von mir hier, als unabhängige dritte Stelle, die PR-trächtige Aussage: das “Gourmet” in Thai-Gourmet-Imbiss find ich immer noch irgendwie bescheuert, aber es ist rein kulinarisch durchaus gerechtfertigt. 

    Ideal für: Stromkastendinner am Kaiser-Friedrich-Ufer

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  • Gasthof Alt Sieseby 

    Gasthof Alt Sieseby 

    157 Tage. 157 Tage hab ich mir überlegt wo ich wohl als erstes wieder hingehen werde, wenn man wieder irgendwo hingehen kann. Vienna war ganz oben, das Bianc, 100/200 oder das Haebel. Lieblingsläden oder Läden in die man schon lange mal gehen wollte. Am Ende wurde es der Gasthof Alt Sieseby an der Schlei. Ich hab von beiden vorher nie wirklich gehört aber ein Sylt-Urlaub musste umgeplant werden und dann nimmt man eben die Modellregion, die man bekommen kann. Aber am Ende war es wohl genau gut so. Weil man nach all den Haute Cuisine-Kochboxen, nach all den To-Go Angeboten seiner bekannten Lieblingsrestaurants eben genau das vermisst hat: Eine spontane Einkehr. Eine Umgebung, die nicht die eigene Wohnung ist. Ein Gruß aus der Küche, mit dem man nicht gerechnet hat. Ein schön angerichteter Beilagensalat, den man nicht aus einer Vakuumtüte drücken musste. Eine Fischsuppe, die man sich zuhause niemals nur als Vorspeise gemacht hätte. Bratkartoffeln, die man nicht so knusprig in der eigenen Teflon-Pfanne hinbekommt und eine Scholle, die man vermutlich im Frischeparadies liegen gelassen hätte weil man keine Ahnung hat wie man das Riesenteil brät und dann doch lieber zum Kabeljau greift. Genau das hat man vermisst: das Gast sein, il dolce far niente, das süße Nichtstun. Die gute Nachricht ist: auch nach so langer Zeit, man hat das Nichtstun zum Glück nicht verlernt.

    Ideal für: Tagesausflug (nur gut 1,5 h von Hamburg)

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  • Traumkuh

    Traumkuh

    Es ist ja nicht so als ob ich sonderlich viel Qualifikation für das Ganze hier hätte. Es ist ja nicht so als ob es eine Zulassung zum staatlich geprüften Foodblogger gibt. Mit Volkshochschulkurs wie man am besten sein Essen von oben oder im 45°-Winkel fotografiert. Mit einer kurzen Einweisung in die Geschichte des Hashtags, einem Grundkurs in Affiliate-Code-Algebra und ein paar Stunden über die Ethik von ungekennzeichneten Sponsored Posts. Ne, hier im Internet wird das Versprechen aller Blankeneser Helikoptereltern wahr, denn hier kannst du alles werden – oder zumindest so tun als wärst du das was du unbedingt sein willst. Nichts berechtigt mich dazu hier meinen Senf zu allem möglichen dazuzugeben und genauso berechtigt mich nichts dazu mich über Poutine zu äußern. Das magische kanadische Saufessen, das ich nur aus dem Internet kannte, hat jedoch auf mich, der sich in Helbinginduzierter Umnachtung nicht nur einmal schamlos die Chilli Cheese Fries bei KFC reingepfiffen hat, schon immer eine gewisse Faszination ausgeübt. Pommes mit Bratensoße und Käse klingt am Ende auch einfach wie ein Gericht, das sich eine künstliche Intelligenz nach einem ungetrübten Blick auf das Essverhalten der Menschheit ausgedacht hat. Allerdings eine künstliche Intelligenz, die uns ausrotten will, still und heimlich, indem sie unsere Cholesterinspiegel steigen lässt so wie wir den Meeresspiegel. Traumkuh bietet das Zeug glücklicherweise neben einigen Burgern an. Aber irgendwie wird Poutine nie mehr als die Summe ihrer Teile, Pommes, Bratensoße, Mozzarella. Und da ich wie gesagt keine Ahnung hab, von dem Ganzen hier und von Poutine erst recht nicht, kann ich jetzt nicht wirklich sagen ob es an der Poutine von Traumkuh liegt oder an Poutine allgemein. Nun, wenn es schon keinen staatlich geprüften Foodbloggertitel gibt, vielleicht kann ich ja bei der kanadischen Botschaft ein Stipendium zur Erforschung der Poutine in ihrem natürlichen Habitat beantragen.

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  • Mission Pizza

    Mission Pizza

    Ab wieviel Wortspiel zeigt eigentlich ein Gastronom oder eine Gastronomin, dass er/sie vielleicht heimlich doch lieber einen Friseursalon aufgemacht hätte? Zum Glück haben bei Mission Pizza nur eine handvoll Gerichte Namen, bei denen man kurz vor dem Bestellanruf überlegt, ob man nicht doch lieber über die Lieferando-App bestellt. Bei der “Specktacular” mit Speck, Champignons und roten Zwiebeln ist die Benennung auch wirklich das Einzige, was ich daran auszusetzen habe. Und das obwohl ich kein großer Fan von Pizza Bianca bin. Bei der “Hot Honey” meckere ich gar nicht mehr: Salami mit Chilli-Honig und Tomatenbase, und das ganze auf New York-Style dough, der durchaus mal eine angenehme Abwechslung zu den ganzen neapolitanischen Teigungetümen ist. 

    Für alle Follower: Hingehempfehlung. 

    Und für Mission Pizza: hier ein paar Worstpiel-Rezept-Ideen:

    Pizza al Funky – mit Pilzen, aber die mit denen man alles bunt sieht

    Pizza Prostciuotto – mit Schinken und 4 Peroni

    Pizza ‚Ndrangheta – mit so viel Knoblauchöl, dass man danach nicht mehr reden sollte.

    Pizza Kawaii – mit Ananas und in Hello Kitty-Form

    Pizza Quattro Formatschi – zu kurz gebacken

    Pizza Pompei – zu lang gebacken

    Pizza Sparma – mit dem billigen luftgetrockneten Schinken

    Ideal für: Lockdown-Spaziergänge, Bestellung

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  • Veddeler Fischgaststätte

    Veddeler Fischgaststätte

    Leute die “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen” sagen, geht es wirklich nie um das, was man angeblich nicht mehr sagen darf, sondern immer nur um den Umstand, dass sie irgendwas nicht mehr sagen dürfen. Und während dann oft auch noch skandiert wird “dass man heutzutage ja überhaupt nichts mehr sagen darf” wird recht schnell klar, dass man heutzutage sehr viel sagen darf und meist eben nur ein paar unwichtige Kleinigkeiten nicht mehr. Sowohl Dickmänner als auch die Paprikasauce spielen zum Beispiel schon seit Jahrzehnten kulinarisch nicht mehr die Rolle, die sie immer wieder sprachlich spielen. Also wollen Leute die sagen, dass man heutzutage ja gar nichts mehr sagen darf, selten genau das sagen, was sie nicht mehr sagen dürfen, sondern einfach nur irgendwas sagen, das man nicht sagen darf. Und das geht aber auch ganz einfach ohne Minderheiten zu beleidigen: zum Beispiel in dem man Geheimtipps verrät. Mir wurde recht häufig gesagt, dass ich bloß nicht zu vielen Leuten was von der Veddeler Fischgaststätte sagen soll. Mach ich aber jetzt trotzdem: Denn erstens kann man bei einer über 80-jährigen Gaststätte nicht erwarten, dass hoffentlich niemand was davon mitbekommen hat und man das “kultige” Ding noch möglichst lange für sich alleine hat und zweitens sind der Backfisch und die Fischfrikadellen dafür einfach zu lecker. Und dass die Veddeler Fischgaststätte in Ihrer exponierten Lage zwischen Autobahn, Elbbrücken und LKW-Verladeplätzen zwar wirkt wie eine kleine Oase, allerdings wie eine Oase aus einem norddeutschen Stephen King-Roman … also das wird man ja wohl wirklich noch sagen dürfen!

    Ideal für: Ende einer Radtour am Veddeler Deich

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  • Austerregion

    Austerregion

    “Das war ja mal ein Arme-Leute-Essen!!!” muss man immer ganz laut rufen wenn man irgendwelches fancy Zeug isst, sonst erscheint ein Goblin und prüft deine Steuererklärung. Aber wie es so ist, Armut und Reichtum liegen halt dann am Ende doch gar nicht so weit auseinander, zumindest wenn man dem Musikfernsehen glauben schenken mag. Denn je ärmer der Gangsterrapper war, desto größer die Rolex, der Bentley und die Felgen des Bentley. Man will ja zeigen was man hat aber noch viel mehr will man zeigen was man früher nicht hatte. Und das natürlich am besten auf der Straße. Insofern passt so ein Lunch mit Austern, Jakobsmuscheln und etwas Champagner auf einem Stromkasten doch wieder ganz gut in die popkulturelle Erzählung unserer Zeit. Ab und zu muss man verwunderten Passanten zwar erklären, dass man die wirklich roh essen kann, aber an der Isestraße ist man ja häufig so alt und so reich dass man die Mollusken wirklich noch als Bedienstetenessen kennt. Aber ganz ehrlich: wer mir jeden Mittag die ausgezeichneten Austern von @austerregion serviert, dem mach ich ohne zu Murren den Stalljungen. Vor allem wenn es die wilden gibt. Ansonsten bleibt eigentlich nur die Frage: sitzen in 100 Jahren irgendwelche Gourmets in einem Sternerestaurant vor einer dampfenden Plastikschale 5-Minuten-Terrine und rufen laut und amüsiert “Das war ja mal ein Arme-Leute-Essen”?

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    Ideal für: den start ins daydrinking

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  • Vino Infernale

    Vino Infernale

    Weißt, man könnte sich das auch alles viel einfacher machen. Der Adi könnte sich einfach ne enge Leggings anziehen, seine beiden Pobacken Pamela Reif-mäßig vor die Linse quetschen, ein Glas Grauburgunder in der Hand halten und dann drunterschreiben “Don’t dream at your work, work on your dreams.” Oder der Moritz hält seine beiden Füße in den Sand irgendeines Adriastrandes, ein Fußkettchen ist am Knöchel und eine Flasche Muskateller Frizzante in seiner Hand zu erkennen und dazu lesen wir einfach “Travelling is the only thing you can buy that makes you richer”. (Ein Satz den auch nur Menschen für schlau halten, die wirklich noch nie was von Aktien, Gold, Immobilien oder sonstigen Wertanlagen gehört haben). Oder der Philipp sitzt am Tisch einer komplett weiß eingerichteten Wohnung, im Hintergrund noch eine Leuchtletterbox mit der Aufschrift “You & me = always” leicht unscharf zu erkennen, er linst verträumt über den Rand eines Glases Chardonnay und ballert dazu ein “Chemistry between people is the most important science of all.” in die Caption. Ja, könnte alles so einfach sein. Aber statt sich der gängigen Instagram-Bildunterschriftenlogik hinzugeben und einfach irgendwelche Kalendersprüche aus dem Internet zu copypasten, machen Vino Infernale halt den gleichen Quatsch wie dieser Account hier und schreiben ellenlange und sehr unterhaltsame Texte über alles, was man von denen so wegsaufen und was man in München dazu wegfuttern kann. Und das neben ihrem eigentlichen Job, nämlich Restaurants und Bars bei ihrer Weinkarte beraten, kurz vorm Wochenende per Lieferdienst den Münchnern ihren Wochenendsauf zu sichern und nebenbei dem Giesinger Flaneur ein paar Flaschen so unterzujubeln. Gutes Zeug, nicht einfach nur Wein zum wegkippen sondern ungewöhnlichere Dinger, die gut zu bestimmten Gerichten passen und die nach einer Weinbegleitung in einem gscheiten Restaurant schmecken. Folgt ihnen, auch wenn ihr nicht in München seid, allein wegen der Texte oder schreibt am besten mal ein paar Drohbriefe, dass die jetzt auch mal in den Norden liefern sollen. Ihr wisst ja, *Karl Ess-Voice*: “Es ist nicht genug zu wollen – man muss auch tun.”

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    Ideal für: Suff und Unterhaltung

  • Milk Made Ice Cream

    Milk Made Ice Cream

    Never grow up. So ne Maxime die ich jetzt nicht immer unterschreiben würde. Denn in den letzten Jahren hatte man häufig das Gefühl, dass sowohl die Gastroszene wie auch die Gastszene eigentlich nur noch versuchen die Kinderkarte, die man ihnen vor Jahrzehnten mal hingelegt hat, einfach hochzujazzen. Pizza, Burger, Schnitzel. Oder eben jetzt: fancy Pizza mit 300 Jahren Teigruhe, Wagyuburger mit Trüffelmayo und der Wettbewerb ums dünnste Schnitzel der Stadt. Na gut, wir wissen ja nicht erst seit Disney’s Ratatouille dass Geschmack und Genuss relativ viel mit Erinnerung zu tun haben. Den Pizzerien und Schnitzelläden dieses Landes lasse ich dieses Entbanalisieren des Infantilen noch durchgehen, aber wenn sich erwachsene Männer über den perfekten Burger unterhalten haben verspürte ich schon immer den Drang ihnen sanft den Weg zum nächstgelegenen Bällebad zu weisen. Wem ichs auch durchgehen lasse: Milk Made Ice Cream. Perfektioniert das Salzkaramell noch weiter, macht das Himbeersorbet noch dunkler, gibt Spaghettieis die Würde, die es vielleicht nie verdient hat. Wer seine Kindheitserinnerungen noch professioneller und intensiver hervorgerufen haben möchte als nach einem Besuch hier müsste sich schon einen Schamanen und Ayahuasca besorgen.

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    Ideal für: Ende oder Anfang eines Spaziergangs

  • Boba 102

    Boba 102

    Cathy Hummels hat mal gesagt “Mein Körper war verdammt harte Arbeit”. Das gilt für mich auch. All die Zusatzkilos auf den Hüften, das ist auch nicht immer Spaß und Leichtigkeit. Ihr denkt alle “Foodblogger, die reisen ständig herum, gehen nur in Sternerestaurants umsonst essen und bekommen ständig geile Sachen geschenkt.” Aber nicht hier. Denn Guide Pelzenstein geht auch dahin wo es wehtut. Dahin, wo sich die Glitzerwelt-Blogger nicht hintrauen. Ich bin der Günter Wallraff der Kulinarik. Der Navy Seal unter den Gastro-Kritikern. Die Ein-Mann-Spezialitäten-Spezialeinheit. Immer undercover und immer bereit zu- und nachzuschlagen. Derjenige, der keine Angst vor den weltweiten Krisenküchenherden hat. Derjenige, der sich traut, in einem Nagelstudio Banh Mi zu bestellen. Ew. Einerseits weil ich ein unerschrockener Pionier bin. Und andererseits weil ich Banh Mi wirklich gerne mag und nicht so ganz verstehe, warum die tausend Vietnamesen in Hamburg eines der besten To Go-Essen der Welt einfach nicht anbieten. Das Banh Mi von Boba 102 ist nicht das geilste der Welt, aber enttäuscht auch nicht. Brot ist soweit gut, das Gemüse ist nicht zu lange eingelegt gewesen, Fleisch und Sauce auch okay. Man bekommt bestimmt noch jedes einzelne Element ein bisschen geiler und fancier hin. Aber warum sollten sie auch, macht ihnen ja keiner Konkurrenz. Und dafür, dass das ganze Teil am Ende dann doch einfach immer noch normalerweise ein Nagelstudio ist, passt schon. Meine Mission hier war jedoch noch nicht beendet. Für euch fürchte ich weder Tod noch Teufel und gehe bis ans äußerste – also noch einen Maracuja-Kiwi-Bubble Tea dazu. Mein Gesicht dazu seht ihr beim swipe nach rechts. Wie sagen die Navy Seals: The only easy day was yesterday.

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    Ideal für: to go im Sommer

  • Dametto Nudeln

    Dametto Nudeln

    Es hat schon einen Grund warum frische Nudeln in Nestern geformt werden. Ein Nest wärmt dich, es umarmt dich förmlich. Ein Nest gibt dir Halt, Geborgenheit. Du wirst genährt, es wird sich um dich gekümmert. Du wirst geschützt ja und mehr noch – du wirst geliebt. Genau wie frische Pasta es eben tut. Ein Nest und Pasta sind aber eben auch viel Arbeit und deswegen gilt für beides: am besten macht es jemand für einen. Idealerweise Dametto. Und zwar nicht nur längliche Pasta, sondern auch Tiramisu und Ravioli mit immer wieder wechselnden Füllungen. Ravioli werden zwar nicht in Nestern serviert aber wenn man mal ganz genau hinsieht: sind das nicht kleine Kissen?

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    Ideal für: Freunde zu Besuch und keinen Bock alles selbst zu machen

  • Tortas Don Jamie

    Tortas Don Jamie

    Irgendwann werden die SETI-Teleskope ein Signal empfangen. Irgendwann wird dieses Signal nicht mehr mit einen Pulsar oder ähnlichen natürlichen Effekten erklärbar sein. Irgendwann wird man feststellen dass unbekannte Flugobjekte zu uns unterwegs sind. Irgendwann werden sich die Menschen deswegen die Köpfe einschlagen oder endlich zusammenraufen und ein multilaterales Empfangskomitee zusammenstellen. Irgendwann wird ein Raumschiff landen, angetrieben von einer Technologie die für uns komplett unverständlich ist. Irgendwann werden Wesen aus diesem Gefährt aussteigen, mit acht Armen oder gar keinen, teilweise oder ganz technisch-bionisch erweitert. Sie kommunizieren in einer Sprache die wir nicht verstehen oder auf eine Art, die wir mit unseren Sinnen gar nicht erfassen können. Irgendwann wird eines dieser Lebewesen nach der langen Reise eine Box aus fremdartigen Metall öffnen und etwas herausholen. Eine Art Schwefelplasma oder eine Energiequelle auf Molekülbasis, eben etwas, das diese Lebewesen für ihren Metabolismus benötigen. Und das ganze steckt dann natürlich in einem squishy Weißbrot.

    Denn das ist einfach der kleinste gemeinsame Nenner allen Lebens im Universum: Essen in ein Brot packen. Die Bayern machen Leberkässemmeln, die Amerikaner machen Burger, die Engländer machen Sandwiches, die Kubaner machen obviously Cubanos, ja sogar die sonst nicht so Brotverrückten Asiaten machen Banh-Mi und Katsu Sando. Essen in erhitztes Getreide packen ist die einzige wahre Weltformel. Oder sogar Weltraumformel. Deshalb ergibt es auch komplett Sinn die Sachen, die sonst auf einen Taco kommen, mal in einer Torta, einem mexikanischen Sandwich, zu verputzen. Die könnt ihr bei Tortas Don Jaime entweder bestellen oder ihr macht euch selbst auf die Reise in einen etwas versteckten Eimsbütteler Hinterhof. Wenn die Aliens die Erde finden können, werdet ihr das ja wohl gerade noch schaffen.

    Ideal für: wenn man Bock auf Tacos hat, aber irgendwie doch nicht Bock auf Tacos hat.

  • Asia Imbiss

    Asia Imbiss

    Asia Imbiss. Da ist sie schon. Die erste “Red Flag”. Einem Laden den allgemeinsten und schmucklosesten Namen zu geben, den man sich vorstellen kann, ist entweder extrem Hipster (siehe die Bäckerei @bread.hamburg) oder eben extrem besorgniserregend. Ich bin mir ziemlich sicher dass es beim Asia Imbiss mit Hipstertum nichts zu tun hat. Oder es passiert auf einem derartigen Metalevel, dass nicht mal mehr ich es kapiere. In der Mode nannte man das mal Normcore. Die zweite “Red Flag”: die Außenbeklebung. Wobei hier so viele rote Fahnen versteckt sind, dass eine chinesischen Militärparade neidisch sein würde. “Spezialitäten aus Korea, China und Thailand” ist ja so ein Bandbreiteversprechen dass ähnliche Abwehrreaktionen hervorruft wie “das Beste aus den 80ern, 90ern und von heute”. Die Graffitis, naja, inzwischen sieht ja der Unterarm jedes zweiten Großstadtbewohners so krakelig aus, daher sehen wir da mal drüber hinweg und kommen direkt zum größten Warnsignal: die “Lycamobile”-Banderole. Die ist zwar quasi das dekorative Einstecktuch eines jeden Kioskschaufensters, wirkt aber an einem Restaurant dann doch so vertrauenswürdig wie ein Western Union-Schalter. Schafft man es doch vorbei am roten Flaggenmeer, begegnet einen zwar ein Interior, dass man weder in der Architectural Digest noch im Feed von @carodaur wiedersehen wird, beim Blick in die offene Küche lässt das Unbehagen aber langsam nach. Irgendwie sieht das so aus als könnten die das. Und mit “das” ist vor allem das, wie mir von einem Informanten zugetragen wurde, Korean Fried Chicken gemeint. Um die Kuriosität konstant zu halten wird es natürlich in einem mit einem italienischen Fischerdorf verzierten Pizzakarton überreicht. Und was soll man sagen: zum Glück hat man nicht auf sich selbst gehört, denn man wurde mit einem großartigen Fried Chicken belohnt, immer noch kross aber schon leicht durchgeweicht von der Sweet Chilli Sauce. Also, öfter mal in den zweifelhaften Laden. Öfter mal sich nicht vom Lyca Mobile Aufkleber abschrecken lassen. Glaub das meinte mein Personal Trainer als er sagte dass ich mal mehr aus meiner “Comfort Zone” raus muss.

    Ideal für: Abholen, Abend mit Freunden und teilen.