Thai Gourmet Imbiss

Es gibt eine relativ einfache Regel: Wenn irgendwo “best xy in town” steht, kann man mit an absoluter Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es in besagter Lokalität nicht das “best xy in town” gibt. Denn in der Gastrobranche ist Selbstbeweihräucherung noch mehr Gang und Gäbe als in christlichen Kirchen – aber eben: selten bei denen, bei denen es eigentlich stimmt. Ich wage es zu bezweifeln, dass statt “The Table” “Kevin Fehling’s leckere Molekularbude” zur Namensauswahl stand oder dass man sich überlegt hat, ob man dem Tantris damals ein “köstlicher wirds nicht” als Unterzeile verpasst. Die alte PR-Weisheit gilt auch hier: es ist besser, wenn andere sagen wie toll man ist, als wenn man selber sagen muss, wie toll man doch sei. Muss man sich also Sorgen machen, wenn ein Imbiss sich ein Binnen- “Gourmet” in den Namen setzt? Ist “Gourmet-Imbiss” nicht eigentlich überall außerhalb von Sylt ein Oxymoron (Hoffe ihr müsst das jetzt nicht alle googeln)? Ja und ja. Denn dieser kleine Laden mit seinen bunten Leuchtgirlanden und der Küche, die quasi zwei Drittel der Fläche einnimmt, ist auf den ersten Blick von der Fine Dining-weißes Tischtuch-soll ich Ihnen den Bentley parken?-Welt durchaus etwas entfernt. Aber er bietet eben auch wirklich sehr, sehr gute Thai-Gerichte. Vom Basilikum Chili bis zum Massaman Curry über die Wan-Tans, bei denen man sich wirklich fragt wieso die vegane Variante so gut nach Garnele schmeckt und eine Ente, die man so perfekt und noch rosa ganz selten bekommt ist das alles auf Thai-Niveau, nach dem man sonst lange sucht. Und das nicht nur weil in den letzten 10 Jahren jeder zweite Thailänder zu einem Vietnamesen wurde. Insofern gibt es von mir hier, als unabhängige dritte Stelle, die PR-trächtige Aussage: das “Gourmet” in Thai-Gourmet-Imbiss find ich immer noch irgendwie bescheuert, aber es ist rein kulinarisch durchaus gerechtfertigt. 

Ideal für: Stromkastendinner am Kaiser-Friedrich-Ufer

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