Reep

Man hat’s hier nicht leicht als Genuss. Nur eine Straßenecke weiter säuseln die Dienstleisterinnen in Moonboots ein hauchzartes “Na Kleiner, heute Nacht schon was vor?” in dein Ohr um einen zum Koitus zu verleiten. Oder zumindest zur Abhebung am nächsten Geldautomaten. Dazwischen Bars, die einem anbieten, die Sinne mit allem zu betäuben, was die Menschheit so an Brau- und Brannterzeugnissen bisher hervorgebracht hat, von der Wodkabombe bis zum Herrengedeck. Man kann sich der Ekstase des Tanzes hingeben, oder das was man zu diesem Zeitpunkt noch für Tanz hält. Und möchte man mit seinen Sinnen die Pfade des Legalen verlassen, wird einem auch die nahe Davidswache davon kaum abhalten können. Für den Geschmackssinn war die Reeperbahn bisher allerdings eher ein unbefriedigendes Gebiet, zumindest nüchtern. Das Reep, etwas versteckt im Schmidts Tivoli und explizit nicht als reines Theaterrestaurant gegründet, schickt sich an daran etwas zu ändern. Und es scheint ihnen zu gelingen. Ein paar bodenständige Originale wie Labskaus und Roulade sind sehr lecker, könnten aber gerne noch die Prise Besonderheit vertragen, die zum Beispiel die Vorspeise “Angler Sattelschwein” mit dreierlei Schwein – als Pulled Pork-Krokette, als gebackene Stippe und als gebeiztes Carpaccio – hat. Die Portionen könnten gerne ein bisschen kleiner sein und die Nachspeise ein bisschen weniger süß, aber ein bisschen drüber passt ja dann am Ende auch gut zur Reeperbahn. Gerade in einer Zeit, in der die sinnliche Ekstase fast allumfassend eingeschränkt werden muss.

Ideal für: Besuch von außerhalb, Hamburger Klassiker

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