In meiner Heimatstadt gab es einen Pizzaservice, der von Indern betrieben wurde und neben dem südeuropäischen Nationalheiligtum auch noch Schnitzel und Gyros zu bieten hatte. Was wie der feuchte Traum eines jeden Hippies klingt, war natürlich der schweißgebadete Albtraum eines jeden Menschen mit funktionierenden Geschmacksknospen. Muss man jetzt also skeptisch sein, wenn zwei deutsche Dudes ein südamerikanisches Restaurant eröffnen und dann das ganze Ding nach 2 Jahren auf orientalische Levanteküche umstellen? Spoiler Alert: natürlich nicht. In der Salt & Silver Streetfoodbar, wo es früher traumhaftes Ceviche gab, gibt es heute … immer noch traumhaftes Ceviche, nur diesmal dank Ayran-Leche de Tigre mit arabischen Einschlag, neben Schawarma, das einer Geschmacksbombe gleicht, und gerösteten Blumenkohl, den man dank beigelegtem Messer zwar selbst teilen muss aber ungern teilen möchte. Und immer wieder muss man den Kellner nerven, weil man Aromen serviert bekommt die man so noch nicht probiert hat. “Was ist in der Sauce des Rote-Beete-Salats?” (Schwarzteevinaigrette, mega) “Warum schmeckt der Spitzkohl so geil?” (Sous-Vide-eingelegt) “Worin ist die Melone eingelegt?” (Das ist keine Melone, das ist Kürbis, eingelegt in Rosenwasser und Zimt).
Das Salt & Silver beweist also jetzt, was mir der indische Pizzaladen immer schuldig geblieben ist: dass wenn man ganz viele Dinge zusammen wirft etwas ganz tolles entstehen kann. Nur dass es sich bei den Dingen im Fall von Salt & Silver eben nicht um Schnitzel, Pizza, Butter Chicken und Gyros handelt, sondern um absolute Liebe zum Lebensmittel, ein herzliches Team, einen Ausblick auf den Hafen, der seinesgleichen sucht, exzellenter und kreativer Kochkunst und zwei Landesküchen, die voller Respekt kombiniert werden.
Nach kurzer Recherche hab ich übrigens herausgefunden, dass es den oben beschrieben und so genannten Dachauer-Pizza-Service zwanzig Jahre später immer noch gibt. Dem Team von Salt & Silver wünsche ich mindestens genauso lange Erfolg. Auch wenn ich befürchte, dass ihnen irgendwann die Kontinente ausgehen werden.
Ideal für: Ungezwungene Abende, Sommernächte, Vegetarier, von anderen Restaurants gelangweilte Menschen









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